Katarina / Köln

Ingenieurin

Katarina lebt in einem hübschen Haus, versteckt in einem Kölner Vorort. Ein großes, offenes Wohnzimmer und die Küche im amerikanischen Stil sind umgeben von einem kleinen Garten voller Bäume und Sträucher. Das Haus ist überraschend ruhig, obwohl es mitten in der Stadt liegt. Irgendwie passt es perfekt zu ihr.
Katarina ist vor einiger Zeit aus Schweden weggezogen, um sich in Deutschland niederzulassen. Dennoch ist sie viel gereist und hat in verschiedenen Ländern gelebt, die alle dazu beigetragen haben, ihre Augen für die Welt um sie herum zu öffnen und sich sowohl für die Schönheit als auch manchmal die Traurigkeit derer zu öffnen, denen sie begegnet.
Lassen Sie sich erzählen, wie ein junges Mädchen schon sehr früh die Kontrolle über ihr Leben übernahm, ihre Fähigkeiten und ihre Offenheit von Ägypten bis Indien in die ganze Welt brachte und nun über ihre Wahlheimat und deren Flüchtlinge nachdenkt.

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Kannst du mir drei Dinge über deinen Vater erzählen, oder jemand anderen, wenn du das bevorzugst ?

Okay. Drei Dinge über meinen Vater. Mein Vater mochte seinen Job immer - zumindest während meiner frühen Kindheit, und er merkte, dass er ihm sehr wichtig war. Das bedeutete, dass manchmal der Job vor der Familie kam. Mein Vater und ich waren uns sehr ähnlich. Schon damals, als ich noch ein kleines Kind war, saßen wir um den Tisch und redeten über verschiedene Dinge und mein Vater sagte dann etwas, dann gab es eine Pause, in der niemand etwas sagte, und dann habe ich darauf geantwortet. Meine Mutter fragte dann immer: „Worüber redet ihr da?“ Wir waren uns einfach so ähnlich, dass wir immer die gleichen Gedanken hatten. Unsere Gehirne haben auf die gleiche Weise funktioniert.

Meine Mutter fühlte sich manchmal wie fremd in unserer Nähe. Das Ganze hat mich tatsächlich sehr beeinflusst, denn ich dachte, dass man einfach so eine Person in seinem Leben braucht, bei der der Kopf auf die gleiche Weise arbeitet. Ich habe nie eine andere Person... Nein, das stimmt nicht. Man trifft selten Menschen, die auf die gleiche Weise denken wie man selbst, aber wenn man so jemanden trifft, ist das eine Menge wert. Wenn man also eine Weile still dasitzt und dann das Gespräch wieder aufnimmt, merkt man, dass man in der Hinsicht ähnlich tickt.

Mein Vater war... Ich erinnere mich, dass er versucht hat, mir Mathe beizubringen. Ich dachte aber immer nur, das geht mir zu sehr ins Detail, ich brauche das nicht. Ich wollte das lernen, was wir auch lernen sollten, und nicht die Geschichte der Mathematik, die ganzen Grundlagen, denn das sollte ich eigentlich schon wissen. Manchmal ist er auch einfach abgeschweift. Sein Kopf war immer voll mit vielen verschiedenen Dingen und er hat sich nicht so richtig auf eine bestimmte Sache konzentriert. Das fand ich auch sehr interessant und ich habe gemerkt, dass mein Hirn genau so arbeitet. Manchmal sagen mir die Leute „Du bist nicht bei der Sache, Katarina“, weil mein Hirn eben anders funktioniert. Es bewegt sich in eine Richtung, dann zurück, dann dorthin, dann wieder zurück und so mache ich Fortschritte.

Aber du verknüpfst oft viele Dinge, die eher nebensächlich zum eigentlichen Thema sind, und das hast du auch in deiner Familie beobachtet?

Ja, genau.

Ich habe Maschinenbau studiert und fand es gleichermaßen spannend und langweilig, schwierig und einfach, und ich war mir schon während des Studiums ziemlich sicher, dass ich nie als Mechaniker arbeiten würde. Zum Glück habe ich eine Firma gefunden, bei der ich eine Ausbildung anfangen konnte. Alsich in die reine Maschinenbau-Abteilung kam, habe ich es einfach nur gehasst. Wenn man einen Maschinenbau-Hintergrund hat, kann man aber trotzdem viele andere Dinge machen. Ich bin also in den Verkauf und anschließend ins Ausschreibungsmanagement gewechselt und da kamen meine Fähigkeiten viel mehr zur Geltung. Ich konnte viel größere Fortschritte erzielen.

Ich bin nicht die Person, die großartig ins Detail geht und zum Beispiel gerne die Krümmung eines bestimmten Bauteils genauestens entwickelt, nein, das bin einfach nicht ich. Mir geht es mehr darum, wie ich diese Dinge an den Mann bringen kann. Mir geht es um die Interaktion mit Menschen, aber ich bin trotzdem froh, Ingenieur zu sein. Ich merke, dass es mir hilft, viele Dinge leichter zu verstehen. Ich begreife Dinge schneller. Wenn man mit verschiedenen Firmen arbeitet... Die ganze Technik fällt mir leichter, weil ich gelernt habe, wie man Dinge handhabt, weil ich ein Ingenieur bin.

Ich habe auch bemerkt, dass man, wenn man zum Beispiel Hintergrundwissen in Mathe oder Wissenschaft generell hat, viele Dinge schneller versteht, die anderen Menschen Probleme bereiten. Man kann einige Schritte überspringen, die andere vielleicht machen müssen. Es ist irgendwie völlig natürlich für einen, während es für andere schwerer ist. Es ist eine Fähigkeit, die man an vielen Stellen einsetzen kann.

Absolut. Ich merke auch, dass - denn ich arbeite sehr viel - Während der letzten Jahre war ich in der Vertragsverwaltung tätig. Man versucht also einen Vertrag zu verkaufen oder man erstellt gerade einen mit einem Kunden und weil ich die Dinge verstehe, die wir verkaufen, ist es viel einfacher, diese Verträge zu machen.

Noch etwas über deinen Vater?

Es gab tatsächlich etwas, das ich damals als Kind nicht so wirklich bemerkt habe, weil er so auf seine Arbeit fokussiert war. Aber als ich aufwuchs und mehr Zeit mit ihm verbrachte, merkte ich, dass er sehr viel Zeit mit Menschen verbringen musste, aber auch viel Zeit für sich selbst brauchte. Er hat angefangen... Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, es ist irgendwie... Er hat viel darüber nachgedacht, was da ist, nicht im esoterischen Sinne, aber ein bisschen in diese Richtung.

Er hat also angefangen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Er war nie religiös, es ging ihm mehr um die wichtigen Dinge im Leben und was - Ich berühre gerade mein Herz, das sieht das Mikrofon natürlich nicht - das, was uns als Menschen betrifft. Er hatte immer großes Interesse an anderen Menschen, und daran, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu sprechen. Wenn er sprach, war das nie ein Monolog, sondern eine Unterhaltung. Es kam aus dem Interesse an den Dingen, die wichtig im Leben sind, die wichtig für uns sind und die, die es nicht sind. Das hat mir auch die Augen dafür geöffnet, dass es mehr gibt im Leben als das, was man oberflächlich sieht und... Ich würde eigentlich jetzt gerne über seine Schwester reden, sie hatte eine sehr merkwürdige Eigenschaft. Sie sagte, sie könne Auren sehen. Sie könne die Energie eines Menschen sehen.

Sie fand das selber manchmal sehr verstörend, sie sagte, sie könne sich dann nicht konzentrieren. Wenn da eine Gruppe von Leuten war, und jemand führte diese Gruppe und jemand anderes sprach, und man sollte sich auf diese Person konzentrieren, dann gab es manchmal eine weitere Person mit einer starken Aura und sie konzentrierte sich dann nur auf diesen Menschen.

Als Kind dachte ich immer, dass sie einfach nur merkwürdig war. Als ich dann aufwuchs... Ich sehe leider nicht die Aura eines Menschen. Ich würde das liebend gerne können, aber ich fühle Energiefelder. Vielleicht habe ich das irgendwie von ihr geerbt, aber es ist... Das macht es irgendwie leichter, sich mit Menschen zu verbinden, weil ich schneller als andere Menschen fühle, dass... ob es Sympathie gibt oder nicht. Ich kann das fühlen, ich fühle diese Energien.

Man kann sich leichter mit Menschen verbinden, wenn man ihre Energie spürt. Manchmal merkt man, dass es nicht funktioniert und man sagt sich, okay, dann sollte ich es dabei belassen. Das ist

keine Person, mit der ich arbeiten kann. Das ist keine Person, die ich als Freund haben will. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die man trifft und denen man sofort seine Lebensgeschichte erzählt, obwohl... selbst, wenn sie noch nicht warm mit einem sind. Das ist also einfach etwas, das ich stärker fühle als andere. Ich glaube, das kommt von meiner Tante.

Wer hat sich um dich gekümmert, als du ein Kind warst? ?

 

Meine Mutter hat ihre eigenen Bedürfnisse immer hintenan gestellt. Sie war immer für mich da, aber... Sie war auch nicht wirklich fair, ich konnte nicht wirklich etwas falsch machen. Als ich also...

 

In welchem Sinne?

Sie dachte immer, dass alles was ich tat schon einen Grund gehabt haben müsste, dass ich also das Richtige tun würde. Manchmal gab es natürlich ein bisschen Streit, aber... Als ich ein Kind war, sagte ich zum Beispiel, ich mag Aufräumen nicht. Ich sagte, Mama, du musst dich entscheiden, entweder räume ich auf oder bekomme gute Noten.

Kluges Kind.

Natürlich wollte sie, dass ich gute Noten bekomme. Als ich ein bisschen älter war, fragte ich sie, warum sie mich nicht gezwungen hat, aufzuräumen. Das hätte mir für den Rest meines Lebens wirklich viel gebracht. Und sie sagte, ich hätte als Kind immer so gut verhandeln können, also hat sie immer verloren. So war sie einfach. Und sie war immer... Sie hat mich sehr unterstützt, und wenn ich etwas tun wollte, hat sie immer ihr Bestes gegeben, damit wir das irgendwie hinbekommen haben.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich zehn Jahre alt war. Ich habe dann mit meiner Mutter zusammengelebt. Wir hatten nie viel Geld, ich wollte aber immer mal ins Ausland gehen. Ich fand Schweden immer zu klein, ich wollte mal weg von dort. Meine Mutter sparte und sparte und sparte, und wir konnten unsere erste Reise unternehmen. Sie hat es hinbekommen, jedes Jahr soviel zu sparen, dass wir auch jedes Jahr verreisen konnten. Wenn ich etwas wirklich wollte, hat sie alles dafür getan, dass ich es auch bekomme. Das hat mich auf der einen Seite verwöhnt gemacht, aber auf der anderen Seite habe ich realisiert, dass... Aufgrund der beschränkten Mittel, die wir hatten, realisierte ich, dass man sich seine Wünsche mit Bedacht aussuchen muss. Das habe ich gelernt; Wenn ich etwas sagte, und sie ihr Bestes geben würde, mir das zu ermöglichen, musste ich... Manchmal dachte ich mir, sag es nicht... sag es noch nicht. Denk darüber nach, was du wirklich willst, bevor du es sagst.

Du hast also realisiert, welcher Aufwand dahintersteckte, das zu erreichen oder dir das zu ermöglichen, was du dir gewünscht hast.

Ja, absolut. Aber gleichzeitig war es... Wenn wir darüber sprechen, wer mir geholfen hat, aufzuwachsen, wer mich zu der Person gemacht hat, die ich bin, dann war mein Vater natürlich auch da, denn... obwohl er für einige Zeit zwischen meinem zehnten und sechzehnten Lebensjahr nicht wirklich da war, trotzdem, es waren Dinge wie... Was würde er tun? Und wie hätte er das getan? Und, naja, er ist gut darin, also will ich gut darin sein. Er war in einem gewissen Sinne ein bisschen mein Vorbild.

Gibt es noch jemanden, der in deiner Kindheit sehr wichtig war?

Ja, meine Großmutter mütterlicherseits. Wir waren auch sehr, sehr stark verbunden. Ich war ihr erstes Enkelkind und habe mal fast sechs Monate bei ihr gewohnt, als ich klein war, weil meine Eltern beide arbeiten mussten und keinen Babysitter für diese Zeit finden konnten. Ich glaube, sie sah mich dadurch ein bisschen als ihr jüngstes Kind und gleichzeitig ihr ältestes Enkelkind. Ich war noch sehr klein, ich kann mich also nicht wirklich daran erinnern, aber ich erinnere mich an diese starke Verbindung zu ihr.

Sie war außergewöhnlich. Sie fing an zu arbeiten, als sie 13 Jahre alt war. Sie hat im südlichen Teil von Schweden gelebt, musste aber nach Gothenburg ziehen, das war eine viertägige Reise. Sie zog mit 13 dorthin, als Kind, und arbeitete als Dienstmädchen in diesem Haus. Das Geld, das sie verdiente, schickte sie nachhause, sie konnte sich also keine Ausbildung leisten. Sie hatte nur die sechs Jahre der Grundschule - keine Bildung. Sie hat gearbeitet. Sie hat geheiratet. Sie hatten einen kleinen Hof, da hat sie dann gearbeitet. Als sie den Hof verließen, hat sie angefangen, in einer Küche zu arbeiten. Dann hatte sie ihr eigenes, kleines Gästehaus. Mit 55 ist sie frühzeitig in Rente gegangen, weil sie körperlich völlig erschöpft war. Zum Glück hat das schwedische Rentensystem so gut funktioniert, dass sie von dem Geld leben konnte, das sie hatte. Mein Großvater hat noch einige Zeit weitergearbeitet. Als er dann auch in den Ruhestand ging, waren sie beide sehr aktiv in der Heilsarmee. Sie übernahmen die Leitung über eine der Ortsgruppen.

Ja, aber man brauchte dafür eine formale Ausbildung. Eigentlich brauchte man einen Abschluss der Oberschule. Sie hatte keinen Abschluss. Man musste die Ausbildung innerhalb der Heilsarmee machen, und das hat sie nie getan, aber sie war eine der erfolgreichsten Anführerinnen, die sie hatten. Sie kümmerte sich immer besonders um den Ausbau der Jugend- und Kinderhilfe. Sie sah, dass die Unterstützung der Heilsarmee in Schweden, die weltweit dieselbe ist, abnimmt, und sie überlegte, was man tun kann, um sie wieder wachsen zu lassen. Jede Ortsgruppe, die sie übernahm, sie hatte mindestens vier, ließ sie in dieser Zeit enorm wachsen. Mein Großvater folgte ihr irgendwie.

Sie war ein erstaunliches Vorbild für mich, weil sie diejenige war, die die Familie anführt, und das hieß, dass ich das als Frau auch kann. Nicht er leitete die Ortsgruppen, sie tat es, und das hieß für mich, dass ich wirklich etwas erreichen kann. Dass man als Frau etwas erreichen kann. Ich hatte das noch nie so betrachtet. Es war wie, ja, das ist ganz natürlich. So ist es nun mal. Wenn du eine starke Frau bist, kannst du tun, was immer du willst. Gleichzeitig - weil sie in der Heilsarmee ist - ist es wichtig, dass man zu Gott findet. Aber genauso wichtig ist es, füreinander da zu sein und Menschen zu helfen und sie zu unterstützen.

 

Erinnerst du dich an eine Zeit, als du dich in den Augen von jemand anderem besonders gefühlt hast?

Ich wähle ein arbeitsbezogenes Beispiel. Ich arbeitete in Indien, wir verkauften Kraftwerke. Die Organisation war so strukturiert, dass die Turbineninsel, also die Kernkomponente, von Deutschland aus verwaltet wurde. Der Kessel wurde von den Vereinigten Staaten aus verwaltet. Die Balance von Anlage und Bau und allem wurde in dem Land gemacht, in das wir es verschiffen wollten. Also war es meistens eine lokale Organisation. Wir hatten eine sehr große... Wir kauften eine sehr große Organisation in Indien, also hatten wir eine sehr starke, sehr gute Balance der Betriebsvorgänge in Indien. Indien war also unser Zielmarkt, also wurde entschieden, das Vertriebsteam von Deutschland nach Indien zu verlegen.

Die Einheimischen waren tief verletzt, als die Deutschen zu ihnen geschickt wurden, um die Führung beim Verkauf eines Kraftwerks zu übernehmen. Sie hielten sich für absolut, völlig fähig, das selbst zu tun, als Hauptverkäufer aufzutreten und dann die Turbineninsel von uns zu kaufen oder zu verwalten. Sie hatten also das Gefühl, sie müssten das selbst tun und sie hassten uns. Wir haben vorhin mal über dieses Gefühl gesprochen, zu wissen, was Leute denken und zu wissen, wenn man mit jemandem klarkommt. Diese Leute hassten uns so sehr, ich konnte mich nicht in ihrer Nähe aufhalten. Manchmal saß ihr Leiter der Verkaufsabteilung auf der anderen Seite der Gruppe oder am Ende eines Flurs. Ich konnte nicht vorbei. Ich musste herumlaufen.

Dann, nach viel politischem Druck und sehr hinterlistig, haben sie es geschafft zu sagen, dass der deutsche Vertrieb gehen muss. Sie sagten auch, dass Katarina bleiben muss. Ich war perplex. Sie sagten, sie sei die einzige die weiß, was sie tut und die die Menschen in Indien respektiert. Sie sei die einzige, die versteht, dass sie auch Menschen sind, dass sie fähige Verkäufer sind, dass sie fähige Ingenieure haben und dass sie eine Ausländerin ist, eine Fremde in diesem Land, und dass sie versucht sich anzupassen.

Das war wie... Ich glaube ich habe noch nie, jemals, in meinem ganzen Leben, so etwas gespürt. Mir ist plötzlich klar geworden, dass die Dinge, die wichtig für mich waren, nicht wichtig für andere Menschen waren, und das hat einen großen Unterschied bewirkt, der zuletzt auch gewürdigt wurde, weil ich es für sehr wichtig halte, dass man andere Menschen respektiert, und ich denke es ist sehr wichtig, dass man versteht, dass es niemanden gibt, der mehr wert ist als jemand anders. Jeder Mensch hat den gleichen Wert, und das geht vom Kerl der Tee macht bis zum Geschäftsführer.

 

Wir sind alle gleich viel Wert und es spielt keine Rolle, woher man kommt. Wir sind alle gleich. Das ist eine sehr schwedische Mentalität, ich weiß, aber ich habe das Gefühl, dass sie manchmal so stark in mir ist, dass sie auch Probleme verursacht. Wenn mir jemand von ganz oben etwas sagst, das nicht meinen Werten entspricht, dann kann ich es nicht ausführen. Werte sind mir also sehr wichtig, und ich bin glücklich, dass die Menschen in Indien das erkannt haben und dass sie es zu schätzen wussten. Es war toll zu hören, dass ich auch Ahnung von Kraftwerken habe.

Du bist also in Indien geblieben?

Ja, genau. Ich war die einzige, die geblieben ist. Die anderen sind nach anderthalb Jahren gegangen und ich bin noch etwas länger geblieben. Während dieser Zeit wurden wir von Alstom übernommen, und die haben alles umstrukturiert und umorganisiert. Zur gleichen zeit bekam ich ein Jobangebot in der Schweiz. Und obwohl ich Indien liebte, entschied ich mich dann doch für die Schweiz. Ich war drei Jahre in Indien, die anderen etwas weniger als 18 Monate.

Das muss eine enorme Erfahrung gewesen sein.

Ja, ich mochte Indien wirklich. Nein, ich hab es nicht wirklich gemocht, ich habe es geliebt. Irgendwie komisch, weil es so anders ist als in Europa. Es ist sehr lebhaft, sehr farbenfroh, sehr laut und schmutzig und gleichzeitig schön und warm und die Leute sind sowohl verwirrend als auch reizend. Es war einfach... Es hatte einfach alles. Es war wie... ich weiß nicht, es war einfach ein Ort, an dem ich mich wohl fühlte.

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Seit wann bist du erwachsen? Wann hast du gespürt, dass du erwachsen bist?

 

Gute Frage, ich glaube ich hatte zwei Phasen. Die leichte war, als ich ausgezogen bin. Ich habe mein Zuhause mit 18 Jahren verlassen, um zu studieren. Ich lebte alleine und musste mich um mich selbst kümmern. Da habe ich mir gesagt, „Okay, ich bin jetzt in der Lage, meine Finanzen zu regeln. Ich mache meine Kurse. Ich verspäte mich nicht. Ich halte meine Wohnung sauber“. In der Phase dachte ich, okay, ich bin jetzt erwachsen. Dann kam ich nachhause und meine Mutter dachte, ich wäre ein Kind - wir hatten an diesen Wochenenden oft Streit, bis wir zu einer Art Übereinkunft darüber kamen, wie wir damit umgehen sollten.

Ich glaube, es gab da noch eine andere Zeit, viel früher. Wie gesagt, meine Eltern waren geschieden. Ich glaube, ein Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich erwachsen werde, war als meine Mutter mal unterwegs war und nicht zu ihrer üblichen Zeit nachhause kam. Das kam normalerweise nicht vor, aber es ist einmal passiert. Als sie nachhause kam, saß ich da und fragte „Wo warst du?“ Ich wusste, wo sie gewesen ist, aber es gab damals noch keine Handys oder sonst was. Ich sagte „Du bist spät“. Sie schaut mich an und sagt „Hoppla, ja, es tut mir leid“. Als wir angefangen haben, darüber zu diskutieren, dass ich mir Sorgen machte, weil sie spät dran war, merkte ich, dass ich unbewusst die Verantwortung für die Familie übernommen habe, worin sie doch eigentlich so gut ist. Ich begann zu begreifen, dass ich Verantwortung für unsere Familie übernehme, um sicherzustellen, dass es uns allen gut geht und dass ich ein Teil davon bin. Meine Mutter hat nicht nur auf mich oder uns aufgepasst. Wir zwei haben vielmehr gegenseitig auf uns aufgepasst. Ich war vielleicht 16, als das passierte. Aber da begreift man, dass man nicht nur für sich selbst denkt, wie man es als Kind tut, sondern man denkt auch seine Familie und kümmert sich um sie. Das war eine sehr wichtige Zeit.

Das ist die zweite Sache, die du ansprichst, die ein bisschen eine Umkehrung der Rollen ist - als du sagtest, dass du sehr gut darin bist, Dinge zu deinem Vorteil auszuhandeln. Normalerweise wären es die Eltern, die ihre Kinder manipulieren, damit sie das tun, was die Eltern wollen. Du hast aber deine Eltern manipuliert, damit sie dich tun lassen, was du willst. Hier ist es ein bisschen dasselbe. Das bedeutet also, dass du ein sehr gutes Verständnis dafür hattest, wie man die Beziehung handhabt, und auch einen starken Willen, die Dinge so zu bewerkstelligen, wie du es für richtig hieltest.

Jetzt wo du es sagst, erinnerst du mich an etwas sehr Interessantes. Meine Mutter und ihre Schwestern kamen überhaupt nicht miteinander klar. Sie haben immer gestritten. Sie waren zu dritt und gingen immer zu zweit auf eine los, oder manchmal haben sich auch alle gleichzeitig gestritten. Das ging über Jahre so.

Zwei gegen eine, konnte sich das mit der Zeit verschieben?

Es verschob sich die ganze Zeit. Wenn wir uns alle sehen mussten, weil es einen Geburtstag gab, Oma oder Opa, oder irgendwas passierte, haben sie sich immer gestritten. Ich, als ältestes Enkelkind, ging dann immer dazwischen und verhandelte mit ihnen, damit sie wenigstens aufhörten zu streiten, solange wir einen Geburtstag feierten. Ich wurde sehr gut darin, alle zu beruhigen und einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit sie sich nicht unbedingt liebten, aber wenigstens normal miteinander umgehen konnten, während wir Gäste hatten.

Gibt es Momente, in denen du gerne wieder ein Kind wärst?

Was bedeutet es, ein Kind zu sein?

Unbesorgt seine Zeit zu verbringen, oder...

Naja, die ganze Zeit. Ich glaube ich habe eine sehr gute Mischung zwischen Verantwortung übernehmen und Dinge zu tun, die Spaß machen. Ich glaube auch, dass es mir sehr hilft, Leute um mich zu haben, die sich auf den Spaß konzentrieren. Ich glaube, ich bin einfach... Ich mache gerne verrückte Sachen. Ich gehe gerne in Freizeitparks. Ich rieche gerne die Blumen. Ich versuche diese Dinge so oft wie möglich zu machen.

Aber du musst das nicht abgehoben von deinen normalen Tätigkeiten machen, es kommt einfach? Es sind kleine Schnipsel davon im Berufs- oder Erwachsenenleben; ist das richtig?

Ja, das stimmt. Ich glaube es ist sehr wichtig, sicherzustellen, dass man viel Spaß hat, während man Verantwortung übernimmt und seine Arbeit ordentlich macht oder sich um seine Familie kümmert, sein Haus, was auch immer es ist, das man tun muss, was seine Verpflichtungen sind. Ich glaube es ist wichtig sicherzustellen, dass man immer Spaß an den Dingen hat und etwas tut, das einem Freude bereitet.

Ich war zum Beispiel in einem Club, in einem sozialen Wohlfahrtsverein, aber auch für die Vernetzung der Frauen und wir versuchten immer Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Wir hatten Ideen, was wir machen wollten und dann sagte ich „Naja, ich will das nicht machen, weil es keinen Spaß macht“. Manche Frauen in der Gruppe haben sich sehr darüber aufgeregt, wie ich denn daran denken könnte, Spaß zu haben, während wir versuchten, wohltätig zu sein und etwas Gutes für andere Menschen zu tun. Ich sagte „Naja, meine Zeit ist sehr begrenzt. Es gibt viele Dinge, die wir tun könnten, die gleichzeitig Geld einbringen und Spaß machen. Die sollten wir tun, nicht die anderen, die wir als Last wahrnehmen. Das macht keinen Sinn, denn dann werden wir sie schlechter machen“. Man muss sicherstellen, dass man die Dinge tut, die einem Spaß machen, während man gleichzeitig die richtigen Dinge tut, für die Arbeit, Familie, was auch immer es ist.

 

Denkst du, dass du - mehr oder weniger - dieses Ziel erreichst oder ein gutes Gleichgewicht findest?

Ich glaube, dieses Gleichgewicht geht manchmal auf und ab. Wie man Vater mag ich meine Arbeit, ich mag es, zu arbeiten. Das ist ein Schwerpunkt, und ich weiß, dass ich mich manchmal nicht genug auf mich selbst konzentriere oder auf die Zeit, die ich für mich selbst brauche. Also, wie gesagt, mein Vater brauchte Zeit mit anderen Leuten und mit sich selbst und manchmal, wenn ich zu viel arbeite, vergesse ich, dass genau so Zeit für mich selbst brauche. Manchmal halte ich mich selbst eher für extrovertiert und manchmal denke ich „Nein, ich denke ich bin eher introvertiert“.

 

Ich weiß nicht genau, woher ich meine Energie nehme, aber ich glaube ich bekomme sie von beiden Seiten. Ich muss wirklich allein sein, aber ich muss auch unter Leuten sein. Ich glaube es ist wichtig zu wissen, wo man sein Gleichgewicht hat, wenn es um diese Dinge geht - woher nehme ich meine Energie. Darum geht es, wenn man davon spricht, noch ein Kind zu sein. Ein Kind zu sein bedeutet, egoistisch zu sein und das zu tun, was man braucht. Das bedeutet, dass ich manchmal egoistisch bin und unter Leuten sein muss und manchmal bedeutet es, dass ich mich in mein Zimmer setze und ein Buch lese.

Was würdest du bevorzugen; unabhängig zu sein oder jemanden zu haben, der sich um dich kümmert?

 

Unabhängigkeit.

 

Immer?

Ja. Natürlich vermisse ich manchmal... Nein, ich vermisse nicht, aber manchmal geht es nach dem Motto „Oh, es wäre so schön jemanden mit viel Geld zu haben, damit ich selbst nicht so viel tun muss und genießen kann“ und... manchmal, ja, dachte ich, es wäre gut, jemanden zu haben, der sich um alles kümmert, was um mich herum erledigt werden muss, weil ich mich gerne auf meine Arbeit oder irgendwas besonderes konzentrieren will. Ich tue diese umliegenden Dinge nicht gerne. Das war vielleicht auch noch eins der guten Dinge in Indien, denn man konnte es sich zwar nicht leisten, aber man musste Hauspersonal haben. Es war seine Pflicht, sicherzustellen, dass man genug Geld hatte, damit man Arbeit für andere Leute schaffen konnte.

Sobald ich dieses Konzept vollends begriffen hatte, hielt ich es für eine großartige Sache. Ich schaffe Arbeit für andere Leute und muss gleichzeitig nicht mehr putzen oder kochen. Ich liebe es, zu kochen, aber ich muss es nicht, und manche Dinge, die man eben jeden Tag machen muss, können eine Belastung sein. In diesem Sinne mag ich es also, wenn sich jemand um mich kümmert, aber gleichzeitig, als ich zum Beispiel einen Koch zuhause hatte, habe ich ihm manchmal gesagt, was er kochen soll, und manchmal ließ ich ihn entscheiden. Ich ziehe es vor, das Sagen zu haben.

Was macht dich schön?

 

Freude. Ich glaube, jedes mal wenn man etwas tut, das man wirklich genießt, oder wenn man an etwas denkt, woran man Spaß hat, wenn man Dinge tut, die einem wichtig sind und für die man eine Leidenschaft hat, diese Dinge machen einen schön.

 
 
 
 
 
 
 
 

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Wenn du drei Freunde bitten würdest, dich mit einem Objekt zu beschreiben, das dich repräsentiert, an was würden sie denken?

 

Drei Dinge. Eines wäre auf jeden Fall eine Katze. Warum? Ich mag weiche Dinge. Die mochte ich schon immer und ich bin einfach verrückt nach Katzen. Ich hatte sogar mal einen Freund, der schon lange nachdem wir uns getrennt hatten jedes Mal, wenn er eine Katze sah, seiner neuen Freundin den Namen meiner Katze zurief und sie fragte ihn was das soll. Er sagte nur „Sorry, sorry, sorry!“ Ich war einfach verrückt nach ihnen. Ich finde sie sind verschmust und unabhängig, ein bisschen so, wie ich es gerne wäre.

Eine andere Sache wäre vielleicht ein Clownfisch, weil ich das Tauchen wirklich liebe. Ich liebe es, im Wasser zu sein und zu schweben. Was ich wirklich an Clownfischen mag - meiner Ansicht nach - ist, dass sie mit der Anemone zusammenleben und von ihr beschützt werden, und sie sind starke Kämpfer wenn es darum geht, auch die Anemone zu beschützen, und sehr tapfer. Ich wäre gerne mutig. Vielleicht bin ich nicht so mutig, wie ich gerne wäre.

 

Ich weiß, dass wenn Leute an mich denken, sie an einen Löwen denken, nicht weil der Löwe ein Löwe ist, sondern weil ich im Juli geboren wurde und das mein Sternzeichen ist. Während meiner ganzen Kindheit war das sehr wichtig. Meine Kindheitsfreunde würden entweder Katze oder Löwe sagen, wenn sie an mich denken, nicht weil ich wild und stark wie ein Löwe bin, sondern weil ich dachte, es wäre ein cooles und schönes Zeichen.

Verknüpfen sie das mit irgendeinem Verhalten deinerseits, das dem Sternzeichen zutrifft?

Vielleicht dass ich auch gerne faul bin; Löwen schlafen den ganzen Tag. Ich schlafe nicht gerne so viel. Ich entspanne gerne, mache aber auch in kurzen Schüben sehr gerne Sport. Ich glaube nicht, dass sie daran gedacht hätten. Ja, das ist schade. Vielleicht kann ich im Nachhinein Leute fragen und wenn wir die Antworten finden, schicke ich sie dir. Ich glaube es wäre interessant zu sehen, was die Leute denken.

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Was fällt dir morgens schwer, wenn du aufwachst? ?

 

 

Ich muss langsam anfangen. Sich morgens einfach nur zu beeilen, fällt mir schwer. Ich lasse mir gerne Zeit. Jetzt, wo ich in der Eifel arbeite, brauche ich immer noch anderthalb Stunden, um mich morgens fertig zu machen. Ich wünschte, es würde nur eine halbe Stunde dauern. Ja, ich muss wirklich Gas geben. Morgens ist alles wie in Zeitlupe.

Ich habe neulich beschlossen, morgens eine halbe Stunde früher aufzustehen, weil ich die Dinge genauso langsam angehen muss, um loszulegen. Andernfalls bin ich schnell gestresst und fühle mich den ganzen Tag nicht wohl. Es ist so oder so unangenehm.

Es hilft mir wirklich, Energie für den Tag zu tanken, wenn ich es morgens ein bisschen langsamer angehen kann. Ich weiß zum Beispiel noch, dass, als ich angefangen habe zu arbeiten, ich aufgestanden bin und zehn Minuten später bei der Arbeit war. Das bedeutete aber oft auch, dass ich morgens manchmal ein kleines Tief hatte. Ich habe einfach nicht an mich selbst gedacht. Ich denke es ist wichtig, dass man sich auch um sich selbst kümmert und den richtigen Weg findet, während des Tages energetischer und stärker zu sein. Für mich bedeutet das, morgens langsam starten zu können.

 

Was bringt dich im Alltag zum Lächeln?

 

Normalerweise ist es die Interaktion mit anderen Menschen. Ich arbeite sehr viel von zuhause aus und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nie lächle, wenn ich alleine zuhause bin. Nicht nie, aber fast niemals. Es ist die Interaktion mit anderen Menschen. Auch skurrile Dinge, kleine, lustige Dinge, aber auch wenn ich sehe, dass Menschen sich umeinander kümmern und sich gegenseitig helfen. Ich denke, das macht mich glücklich.

 

Da gibt es eine Sache, die kürzlich passiert ist. Ich nehme ein anderes Beispiel, weil es ähnlich ist, aber es ist nicht das Gleiche. Ich habe mein Auto geparkt und ein Parkticket gekauft. Ich wusste nicht, wie lange ich brauchen würde, deshalb habe ich für eine Stunde bezahlt. Ich ging also und habe meine Erledigungen gemacht und es hat zehn Minuten gedauert. Ich komme also raus und sehe eine Mutter mit zwei Kindern und sie ist... Es ist ihr einfach zu viel. Sie sucht nach dem Parkscheinautomaten und ist ziemlich weit davon entfernt. Er ist nicht in der Richtung, in die sie gehen will und ich kann sehen wie sie seufzt.

 

Ich gehe also rüber zu ihr und gebe ihr meinen Parkschein. Ich sage ihr, dass es zwar nur noch 15 Minuten sind, aber wenn ihr das reicht, dann bitte schön. Sie schaut mich einfach mit großen Augen an und sagt „Wow, vielen dank“. Ich sage ihr, dass sie mir nicht danken braucht, aber dass sie dafür jemand anderem etwas Gutes tun soll. Wenn ich solche Dinge sehe, wenn man etwas tut, dass man eigentlich nicht muss, wenn ich andere Leute sehe, die das tun, das bringt mich zum Lächeln. Ich sagte mir, „Ja, gut. Das ist gut. Das gefällt mir“.

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Wer kümmert sich um dich?

Mein Ehemann und ich, und meine Freunde. Viele meiner sehr engen Freunde leben sehr weit auseinander, aber sie versuchen trotzdem, für mich da zu sein, indem sie anrufen oder aufmunternde Nachrichten schreiben, wenn sie denken, dass ich eine Aufmunterung brauche.

Und du? Um wen kümmerst du dich?

Um wen ich mich kümmere? Meinen Mann. Meine Eltern sind leider beide tot. Ich kümmere mich um meinen Mann, meine Freunde und die Familie meines Mannes, aber meine Freunde kommen vor seiner Familie.

Was macht dich glücklich, wenn du etwas für jemanden getan hast?

Es macht mich glücklich, zu sehen, dass ich andere Menschen glücklich machen oder ihr Leben einfacher machen kann, wie zum Beispiel manchmal auf der Arbeit. Gestern hatte ich mit jemandem zu tun, die noch nie ein Angebot erstellt hat, und sie ist für den technischen Teil eines Angebots zuständig. Sie hat das noch nie vorher gemacht und war sehr besorgt. Sie hat sich gefragt „Oh, wie soll ich das nur schaffen, wir haben nur zwei Wochen Zeit, das ist viel zu wenig, das ist alles so komplex“. Also habe ich mich mit ihr hingesetzt und mit ihr das Ausschreibungsverfahren besprochen. Ich sagte ihr, dass sie nur ein kleiner Teil des Ganzen sei, weil sie nur für den technischen Teil zuständig ist. Ich habe ihr ihre Verantwortung innerhalb dieses Prozesses gezeigt.

Nach unserem Treffen konnte ich ihr ansehen, dass sie entspannter war. Es hat mich glücklich gemacht, zu sehen, dass das geholfen hatte. Ich habe ihr weitergeholfen. Sie hatte dann nachmittags noch eine Besprechung über das Projekt und zufällig haben wir uns um 17 Uhr am frühen Abend getroffen. Ich ging zu ihr und fragte, „Und, wie lief die Besprechung?“ Sie hat mir erzählt, was gut lief und was ihre Bedenken waren und was sie denkt, was man verbessern könnte und warum.

Also habe ich ihr gesagt „Das ist super, denn deine Bedenken sind ziemlich ähnlich zu den Bereichen die ich selbst gerne verbessert sehen würde, aber ich hätte nie gedacht, dass du, von einem technischen Standpunkt aus betrachtet, sie genau so gern verbessert sehen würdest. Wenn du sie mir schriftlich zukommen lässt, wäre das sehr von Vorteil, denn dann könnte ich eine Veränderung in diesem Bereich einleiten“. Als ihr klar wurde, dass sie schon jetzt eine Veränderung herbeiführen konnte, obwohl das ihr erstes Angebot war, hat sie festgestellt, dass sie einen Wert beisteuern konnte, obwohl sie unerfahren war.

Was macht dich nach einer Interaktion traurig? Wenn etwas nicht richtig gelaufen ist oder du das Endergebnis nicht besonders magst?

Ich bin, wie man im Deutschen sagt, empfindsam. Ich weine sehr leicht. Was mich wirklich traurig macht, ist die aktuelle Flüchtlingssituation, dass Menschen aus ihrem Land flüchten müssen und dass wir denken, dass sie es nicht verdienen, hier zu leben und dass wir ihnen nicht helfen müssen. Das macht mich so wütend. Ich meine, wir haben hier so ein gutes Leben, die haben das nicht, und wir sollten uns wirklich um sie kümmern. Nein, das stimmt nicht ganz. Wir sollten uns nicht um sie kümmern, das sollten sie selbst schaffen, aber wir sollten ihnen die Möglichkeit geben, das zu tun. Das sind Dinge, die ich sehr wichtig finde.

Ich habe gestern im Radio gehört, dass die Menschen, die in Holland aufgenommen werden, dort eine Akzeptanz niederländischer Werte unterschreiben müssen, welche mehr oder weniger europäische Werte sind. Gleichheit, diese Dinge, die für uns in Europa sehr wichtig und normal sind und die wir für richtig halten. Es ist also nicht so, dass wir sie einfach aufnehmen sollten und ihnen alles geben, was sie brauchen. Das funktioniert nicht. Wenn man jemandem hilft, hat man das Recht, das an eine Bedingung zu knüpfen, aber zu sagen, dass wir es uns nicht leisten können, sie aufzunehmen, ist nicht richtig.

Wir können uns so viel mehr leisten, als wir denken. Das wird man immer sehen. Die Armen sind viel großzügiger gegenüber anderen armen Menschen als die Reichen. Wir in Europa und in Deutschland sind so reich, dass wir Menschen aufnehmen und ihnen helfen können, aber nicht zu jedem Preis. In Schweden werden nicht so viele Flüchtlinge aufgenommen, aber sie verlangen nichts von ihnen, und jetzt gerät das ganze Land langsam außer Kontrolle. Das ist nicht die richtige Art zu helfen.

Das ist wie ein Kind großzuziehen. Man erzieht sein Kind nicht gut, indem man keine Regeln hat. Der richtige Weg, ein wundervolles Kind zu einem großartigen Menschen zu erziehen, ist, indem man sicherstellt, dass es Regeln gibt, dass diese verständlich sind und es auch möglich ist, diese Regeln zu erfüllen. Wenn man das tut, erschafft man einen guten Menschen. Natürlich brauchen Kinder und braucht jeder Mensch Liebe und eine Menge anderer Dinge, nicht nur Regeln. Aber wenn es keine Regeln gibt, wird es dem Kind schwerer fallen, ein guter Mensch zu sein. Es gibt welche, die es trotzdem schaffen, aber allgemein ist es sehr schwierig.

Manchmal werden die Regeln so bearbeitet, um sie möglichst ruhig zu halten, wobei die Regeln eigentlich dazu da sein sollten, ihnen da Integration beizubringen oder zu erleichtern, wo es Schwierigkeiten bei der Integration gibt.

Ja. Wo wir schon bei Regeln sind, eine Firma, für die ich gearbeitet hat, hat ihre Regeln so streng gesetzt, dass es einem unmöglich war, etwas zu verkaufen. Es dauerte einfach so lange, bis man die Zustimmung für jedes kleinste Detail bekam, dass man die Bestellung wieder verlor. Das bedeutete, dass niemand mehr die Regeln befolgte, aber es gibt auch Regeln, die wichtig sind und Sinn machen. Wenn man anfängt, ein paar Regeln zu brechen, fällt es einem irgendwann schwer zu sagen, welche Regeln man jetzt brechen darf und welche nicht. Deswegen ist es sehr wichtig, auch unter Firmen oder Erwachsenen, dass man Regeln erstellt, die Sinn ergeben und dass man es den Menschen ermöglicht, sich innerhalb dieser Regeln zu bewegen.

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Wann hast du das letzte Mal die Welt gerettet?

Ich versuche ständig, die Welt zu retten, indem ich versuche, Plastikmüll zu reduzieren, was wirklich schwierig ist. Letzte Woche war ich in China. Die werden immer umweltbewusster, sind aber immer noch sehr großzügig was Plastik angeht. Als ich da war, hat es sehr viel geregnet, und jedes mal wenn man ein Gebäude betritt, bekommt man einen Plastikbeutel für seinen Regenschirm. Jedes mal, wenn ich so einen bekommen habe, habe ich ihn beim Verlassen des Gebäudes zurückgegeben, damit er wiederverwendet werden konnte. Das war zum Beispiel ein kleiner Versuch, die Welt zu retten. Ich versuche auch, zu vermeiden... Ich versuche sicherzustellen, dass ich nein sage, wenn es irgendwo Plastik gibt und stattdessen meine eigene Tasse mitbringe. Ich bin nicht so gut darin, wie ich gerne wäre, aber ich denke, dass jeder kleine Schritt irgendwie hilft. Ich habe auch aufgehört, Zahnpasta zu benutzen, die Nanoplastik zum Reinigen der Zähne enthält.

Kleine, umweltfreundliche Bedenken oder Änderungen, die du vornimmst?

Ja. Gleichzeitig fliege ich ja, was nicht sehr umweltfreundlich ist. Ich fahre jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit und ich fahre schnell, das ist also nicht sehr... ich bin nicht sehr konsequent. Ich glaube, dass wir die Welt nur dann verbessern können, wenn wir ständig kleine Schritte gehen und je mehr man darüber nachdenkt, desto besser wird man. Wenn man immer aufgibt, wird es nur schlimmer. Wenn man darüber nachdenkt und immer wieder versucht, etwas zu tun, dann verlangsamt man die Katastrophe zumindest. Wir alle müssen immer wieder ein kleines bisschen tun. Das ist das einzige, das wir tun können.

Es wird nicht besser, wenn man es nicht versucht?

Genau. Als ich das erste mal zu den Philippinen gereist bin, war ich schockiert, wie viele junge Mädchen schon Kinder hatten, sehr junge Mädchen, 16 Jahre alt. Die meisten von ihnen hatten ein einjähriges Kind. Ich dachte nur „Wow“. Dann habe ich einen Schweizer kennengelernt, der schon seit vielen Jahren auf den Philippinen lebt. Ich sagte „Also, wir müssen etwas tun“. Er sagte „Was können wir machen?“ Ich sagte „Naja, wir müssen immer wieder darüber sprechen, dass es Kondome gibt, dass man sich schützen kann. Ich werde ihnen bestimmt nicht sagen, sie sollen keinen Sex haben. Das ist deren Entscheidung, aber wir sollten darüber reden, dass es Möglichkeiten gibt, sich zu schützen und dass man nicht schwanger werden muss, nur weil man Sex haben will“.

Er sagte „Naja, damit habe ich angefangen, als ich vor 25 Jahren hergekommen bin. Ich habe aufgehört. Es ändert gar nichts“. Ich war... Ich bin sehr verstört, wenn ich solche Dinge höre, denn ich glaube, wenn wir nachgeben, warum auch immer, dann wird es nicht besser. Wenn man nur einer Person helfen konnte, hat man das Leben dieser Person verändert. Ich meine, das ist gut. Man muss nicht Hunderttausende retten. Wenn man eine Person rettet, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn diese Person dann vielleicht mit anderen darüber spricht, dann helfen wir mehr Leuten, als uns bewusst ist.

Das Gleiche gilt auch für den Umweltschutz. Wenn ich jedem erzähle, was ich versuche zu tun, meine Beutel wiederzuverwenden, ich versuche meinen... Ich bringe meinen Kaffeebecher mit zur Arbeit und nehme mir nicht jedes mal einen aus Plastik oder Pappe. Dadurch, dass ich also ständig darüber spreche, versuchen andere vielleicht auch, etwas zu ändern. Sie sprechen darüber und versuchen damit, noch mehr Leute zu erreichen. Wenn wir einfach sagen, naja, es spielt keine Rolle, ich werde es so oder so tun, dann ändern wir gar nichts.

 

Vielleicht kannst du das auf meine PortraitsdUnion-Analogie beziehen, wo ich sage: „Ich hoffe, dass diese Initiative Menschen berührt“. Ich werde damit nicht die Welt verändern, aber je größer diese Sache wird, desto mehr Menschen erreichen wir.

Absolut. Ich finde das auch sehr wertvoll und wichtig. Jede kleinste Sache, die man tut, beeinflusst die Leute um einen herum. Der Grund warum ich zögere, ist dass ich denke, dass man mit dem, was man tut, nicht nur die Leute um sich herum beeinflusst, sondern es geht noch um etwas, über das ich vorher schon gesprochen habe, um Schwingungen. Ich glaube, wenn ich versuche, Gutes zu tun, dann resultiert daraus auch eine positive Einstellung. Wenn ich versuche, etwas Schlechtes zu tun, dann kommt auch etwas Negatives dabei heraus. Ich glaube, das beeinflusst irgendwie jeden um uns herum. Ich war nicht immer gut, auf keinen Fall. Ich war ein Einzelkind. Ich bin ziemlich egoistisch aufgewachsen und ich weiß, dass ich immer noch sehr egoistisch bin, frag meinen Mann, das heißt aber nicht, dass wir nicht versuchen, besser zu werden und ständig etwas Gutes zu tun.

Mir ist gestern etwas sehr schönes passiert. Ich ging gerade zum Mittagessen. Ich ging zu einem Laden, wo es Fladenbrot-Sandwiches gab. Der Angestellte steckte das Brot in den Ofen, holte es wieder raus und wirbelte es herum. Ich war sehr beeindruckt davon. Er legte es wieder in den Ofen und nahm es wieder heraus. Er hat es immer weiter herumgewirbelt. Er war wirklich gut darin. Dann hat er mein Sandwich zubereitet und ich habe das Mädchen an der Kasse bezahlt. Er stand da und hat auf den nächsten Kunden gewartet, es war aber zu dem Zeitpunkt niemand da.

Ich habe dann zu ihm hingeschaut und sagte „Weißt du, das war ziemlich cool was du eben mit dem Brot gemacht hast. Das war echt beeindruckend“. Du hättest sein Gesicht sehen sollen. Er war so glücklich. Ich dachte mir, „Ja. Ich mache das wirklich gerne“. Wenn man diese kleinen Dinge tut und die Menschen ein kleines bisschen glücklicher macht, dann erschafft man eine bessere Welt. Man kann die Welt auch auf diese Weise retten, man muss nicht nur umweltbewusst denken, sondern auch dafür sorgen, dass sich die Menschen um einen herum besser fühlen.

Was wäre das letzte Ereignis, das du gerne rückgängig machen würdest?

Ich habe zwei, denn ich würde gerne den Tod meiner Eltern rückgängig machen. Sie starben sehr kurz hintereinander, innerhalb von drei Monaten, und sie waren geschieden. Man denkt manchmal, dass wenn ein Partner stirbt, der andere ebenfalls danach an Trauer stirbt oder denkt, dass das Leben keinen Sinn mehr hat, aber sie waren nicht mehr verheiratet. Sie hätten nicht so kurz hintereinander sterben dürfen. Das war einfach zu hart. Das würde ich also gerne rückgängig machen. Wir waren auch einfach sehr gut befreundet, es war irgendwie...

 

Mein Mann sagt mir sehr oft, dass er nie so mit seinen Eltern geredet hat, wie ich, denn wir haben wirklich über alles gesprochen, was uns wichtig ist und was nicht. Mein Vater und ich haben manchmal über Erfindungen gesprochen; Wir haben miteinander telefoniert und Sachen erfunden.

Gibt es jemanden, dem du aktiv hilfst oder den du unterstützt?

Wir geben ab und zu Geld an verschiedene soziale Projekte, die in irgendeiner Form helfen. Das können verschiedenste Dinge sein, zum Beispiel Leute aus Deutschland. Es können Menschen von außerhalb sein. Es können Tiere sein. Aber wir machen nichts davon regelmäßig. Ganz ehrlich, das kommt auch daher, dass ich Schwedin bin, wo wir ein sehr hohes Steuersystem haben, also kümmert sich die Regierung um unser Geld für diejenigen, die es innerhalb oder außerhalb von Schweden brauchen. Obwohl ich Schweden 1990 verlassen habe, ist meine Mentalität... Mir ist das sehr stark aufgefallen, wenn ich Amerikaner oder auch Araber getroffen habe, die dieses System in ihrem Land nicht haben.

Ich habe mal in Ägypten gelebt und meine Freunde dort hatten normalerweise einen bestimmten Bettler, dem sie Geld gaben, entweder ein bisschen jeden Tag oder etwas mehr jede Woche. Und ich habe versucht, das auch zu tun. Ich habe mir einen Bettler ausgesucht, dem ich regelmäßig Geld gegen habe, weil ich versucht habe, wie die Leute in diesem Land zu leben, während ich in Indien kein Geld an diese Leute gegeben habe, weil es dort eine Menge professioneller Bettler gibt. Es gab sogar Fälle, wo sie sich selbst oder Kinder verstümmelt haben. Wenn sie sich das selbst antun, ist es schlimm genug, aber es ist schrecklich, wenn sie das mit Kindern machen, um ihr eigenes Einkommen zu verbessern.

Also habe ich dort versucht, Geld an Organisationen zu spenden. Was ich aber gerne gemacht hätte... Ich habe immer gesagt, dass ich gerne Geld geben würde - also, weil du ja danach gefragt hast, was ich gerne getan hätte oder noch machen würde - Ich würde gerne Geld an ein indisches Mädchen oder einen afrikanischen Jungen spenden. Unter anderem, weil diese Länder so gut zu mir sind. Ich glaube, als Mädchen hat man es nicht leicht in Indien. Es ist sehr... Als ich in Indien lebte, war es üblich, eine Abtreibung zu machen, wenn man wusste, dass man ein Mädchen erwartet. Es gab sogar eine Stadt, eigentlich eher ein Dorf, wo ein Mädchen, wenn es geboren wurde, sofort getötet wurde, weil sie keinen Wert hatte. Ich denke, jeder ist gleich, jeder hat den gleichen Wert, egal wo man lebt oder herkommt, und sowas ist für mich dann einfach inakzeptabel.

 

Ich würde wirklich gerne helfen, aber ich komme auch oft zu dem Dilemma, dass ich glaube, dass es das Leben für manche noch schwerer macht, wenn man ihnen hilft. Freunde von mir haben vor vielen Jahren mal einem afrikanischen Mädchen geholfen. Es war noch in den 70ern, und das Geld, das sie bekam, war mehr als das, was die Familie verdiente, das hat Probleme verursacht. Und sie haben nicht mal wirklich viel gegeben. Dazu kommt noch, dass sie so viel mehr Geld bekommen hat, als die anderen Kinder im Dorf, das hat noch zusätzlich Probleme verursacht, denn die Leute meinten, wir würden nicht wirklich wissen... Wir wollten dem Kind eine Chance geben, zur Schule zu gehen, zur Universität, sich Kleidung zu kaufen, sauberes Wasser und so weiter. Aber weil das Geld nur an eine Person gegangen ist, hat es eigentlich nur Probleme verursacht. Sie hatte bessere Kleidung, konnte aber immer noch kein besseres Wasser kaufen. Dafür hätte es mehr Sinn gemacht, das Geld an das Dorf zu spenden, dann hätte man davon einen Brunnen bauen können. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich gerne einzelnen Personen helfen würde, denke ich manchmal, dass es besser ist, einer Gruppe zu helfen.

Meiner Ansicht nach ist es immer besser, den Menschen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen, weshalb ich mich dann oft den Organisationen zuwende. Ich sage mir, dass sie wahrscheinlich die besseren Möglichkeiten und Fähigkeiten haben, einzuschätzen, wo das Geld am meisten Sinn macht.

Es gibt unterschiedliche Meinungen oder anderes Feedback zu Erfahrungen, entweder durch Organisationen zu helfen oder durch direkte finanzielle Hilfe für einzelne Personen, und die Resultate sind nicht immer nur einseitig die besten.

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Was würdest du in deinem Traumleben tun und mit wem? Wenn du den Zauberstab rausholst, wie sieht dein Leben aus?

 

Wenn wir über morgen reden und über hier und jetzt - dann würde ich auf die Philippinen reisen und tauchen. Ich würde das nicht jeden Tag in meinem Leben machen wollen, weil ich die Gelegenheit hätte, mich fortzubilden. Wenn ich das wollte, würde ich ein Tauchlehrer sein. Ich würde auf den Philippinen leben und jeden Tag mit Schülern tauchen. Und das würde ich definitiv nicht wollen, das wäre einfach nicht fordernd genug. Also wenn es nur manchmal wäre, ja, dann würde ich tauchen; Ich würde im Wasser schweben; Ich würde verschiedene Arten von Wassertieren erleben und ihnen begegnen.

Und wenn es längerfristig sein soll?

 

Wenn es längerfristig sein soll, wäre ich gerne sehr reich und hätte meinen eigenen Wohltätigkeitsfonds. Ich würde damit gerne Leuten helfen, an Wasser und Bildung zu kommen, damit sie sich selbst helfen können. Ich würde Menschen gerne die Möglichkeit geben, ihr eigenes Leben zu verbessern. Manchmal muss man ihnen dazu helfen, manchmal brauchen sie nur einen kleinen Anstoß in die richtige Richtung, damit sie wissen, was zu tun ist. Das würde ich gerne tun. Ich habe mich sogar um einen Job in einer Stiftung beworben, habe ihn aber nicht bekommen und er war in Seattle, also bin ich wirklich froh, dass ich ihn nicht bekommen habe.

 

Ich habe das Gefühl, du glaubst sehr stark an diesen kleinen Stoß in die richtige Richtung, der eine große Verbesserung auslöst.

 

Ja, das stimmt. Das ist wahr. Ich glaube ich habe früher mal einen blöden Film gesehen, da ging es um kleine Schritte und ich glaube, dass die Welt wirklich so funktioniert. Man stößt die Dinge ein bisschen in die richtige Richtung. Das funktioniert besser, als würde man versuchen, große Schritte zu erzwingen. Die meisten Menschen mögen keine Veränderung, und wenn man versucht, sie zu sehr zu ändern, dann blocken sie ab. Wenn man sie nur ein kleines bisschen anstößt, dann denken sie, es ist ihre eigene Entscheidung, und es ist auch tatsächlich zu einem Teil ihre eigene Entscheidung. Sie sind dann einfach viel eher dazu geneigt, dieser Entscheidung zu folgen und sich zu ändern.

 

Es wird auch ihr eigener Erfolg. So können sie sich selbst darauf beziehen, anders, als würde man sie einfach bei der Hand nehmen und die Treppe nach oben zerren. Sie sind oben angekommen, aber sie haben nicht...

 

Sie wollten diesen Weg nicht gehen und es nicht mit ihrem Herzen und ihrem Verstand nach oben schaffen. Sie wären stattdessen woanders, und das ist keine Veränderung.

Was wirst du tun, wenn du älter bist?

 

Ich werde reisen. Ich werde die Welt bereisten, ganz einfach, und versuchen, mit Menschen überall in Kontakt zu treten, verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich würde gerne ständig neue Dinge versuchen. Mein Mann will sich ein Wohnmobil kaufen. Ich würde gerne nach Asien und glaube nicht, dass ein Wohnmobil da meine Vorliebe wäre, aber zumindest wäre es eine Möglichkeit, ständig in Bewegung zu sein und neue Leute zu treffen. Ich befasse mich gerne mit den Ländern, in denen ich mich aufhalte, und fahre nicht einfach dorthin, um sie mir anzuschauen. Ich finde wenn man im Wohnmobil unterwegs ist, dann ist man ganz klar ein Tourist.

Das ist einer der negativen Aspekte daran.

Wenn man in einem Hotel wohnt, dann ist man immer noch Tourist, aber nicht so offensichtlich, wie wenn man durch die Gegend fährt. Ich versuche immer gerne, ein Teil davon zu werden und das würde ich auch gerne tun, wenn ich in den Ruhestand gehe.

Hast du schon ein bisschen davon erreicht, was du gerne mal tun würdest?

Ich habe schon ein kleines bisschen davon erreicht. Was ich, glaube ich, ganz gut geschafft habe, ist - weil ich Veränderung mag, im Vergleich zu anderen Leuten - wenn ich in den Urlaub fahre... Wir waren zum Beispiel zweieinhalb Wochen in Australien. Du wirst sagen, „Wow, das ist ja gar nichts. Wie könnt ihr... Nur zweieinhalb Wochen?“ Und in diesen zweieinhalb Wochen waren wir in Sydney, wir gingen tauchen, wir waren in den Tablelands und in den Blue Mountains. Wir haben die ganze Zeit verschiedenste Dinge gemacht. Wir sind vom Luxushotel in eine Backpacker- Herberge, dann auf ein Luxusboot und in eine unfassbar einfache Unterkunft gezogen. So habe ich eine Menge der Eindrücke bekommen, die ich mir wünsche, wenn ich einen Ausflug mache. Das Gute ist, wenn man mehr Zeit hat, kann man viel besser Leute kennenlernen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Ich denke, wenn ich in den Ruhestand gehe, würde ich wirklich gerne herumreisen und mehr oder weniger länger an verschiedenen Orten bleiben.

Als ich in Kambodscha war, bin ich da für eine längere Zeit geblieben. Wir haben irgendwann angefangen, immer wieder in die gleichen Restaurants zu gehen, was ich normalerweise nicht tun würde, weil ich lieber verschiedene ausprobiere. Man lernt dann aber irgendwann nicht nur den Inhaber des Restaurants kennen, sondern auch seine Kinder, sehe Frau, und man man wird immer mehr ein Teil dieser Gruppe. Man lernt sie kennen, man lernt ihre Familie kennen, und man lernt, wie die Menschen in Kambodscha denken, weil... Naja, man lernt zumindest, wie die Restaurantbesitzer denken, aber die anderen lernt man zumindest auch ein wenig mehr kennen. Das macht auf jeden Fall auch sehr viel Spaß und ich würde mich wirklich gerne mehr damit befassen, wenn ich in den Ruhestand gehe.

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Hast du eine bestimmte Botschaft an die Menschen, die dieses Interview lesen ?

Ich glaube, wir haben während dem Interview sehr oft darüber gesprochen, dass kleine Veränderungen einen großen Unterschied bewirken können, und dass wenn man hier und da versucht, etwas Gutes zu tun und man darüber spricht, man einen viel größeren Einfluss hat, als man denkt. Und ich glaube, das ist einfach... das ist der leichteste Weg. Es geht nicht darum, immer nur Gutes zu tun, es geht darum, dass man sich bewusst wird, was man tut und was für einen Einfluss seine Handlungen haben können.

Das gilt zum Beispiel auch für Dinge, wie bissig und schnippisch zu sein, wenn man sich über etwas ärgert, und man verlässt einen Laden und man... jemand geht an einem vorbei und man sagt irgendwas Gemeines. Das verletzt einen mehr, als man denkt und es hat tatsächlich eine Wirkung auf diese Person. Man sollte also eher versuchen, an die guten Dinge zu denken, die man tun kann. Jede Kleinigkeit macht einen bestimmten Eindruck. Alles, was man tut, hat eine Auswirkung. Wenn man wütend ist, beeinflusst das die Menschen. Wenn man versucht, positiv und glücklich zu sein, wird das die Leute auf eine gute Weise beeinflussen.

Welches Gefühl willst du den Lesern dieses Interviews mit auf den Weg geben?

Welchen Gesamteindruck? Naja, ich weiß nicht, ob sich das aus dem Interview erschließt, aber ich fände es schön, wenn sie mit dem Gedanken schließen, „Das ist ein interessantes Leben“ oder „Das ist eine interessante Person, und es gab hier und da ein paar Häppchen, die mir vielleicht helfen können, Dinge anders und besser anzustellen“.

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