Raoul / Brüssel

IT Architekt

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Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich Raoul bereits seit zehn Jahren kenne. Talentiert, leidenschaftlich und ein guter Kommunikator, begleitet Raoul seit einiger Zeit die agile Entwicklung und Veränderung der Organisation, für die er arbeitet.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit erforscht Raoul viele andere Bereiche, angefangen von der alten Geschichte bis hin zur imaginären Zukunft. Seine unterschiedlichen Leidenschaften und Reflexionen über die Welt werden Ihnen helfen zu verstehen, wie man auch in einem harten und anspruchsvollem Leben, Glück und Harmonie erreichen kann.

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Nenne mir drei Dinge über deinen Vater.

Das ist eine leichte Frage, da ich keinen Vater habe beziehungsweise meinen Vater nicht kenne. Ich kenne auch weder meinen Großvater, noch meinen Ur-Großvater. Was das angeht, bin ich also ganz alleine und das ist genau der Gedanke, den ich mit etwa 30 Jahren hatte - dass ich keine Familie habe. Ich dachte, dass meine Familie während dem Krieg gestorben sei. Das war auf jeden Fall der Eindruck, mit dem ich aufgewachsen bin, da meine Mutter nichts über ihre Vergangenheit erzählen wollte. Also wuchsen wir auf mit der Vorstellung, dass wir keine Familie hatten, keinen Vater, keinen Großvater. Und eigentlich stört es mich mittlerweile nicht mehr wirklich. Es ist etwas, das ich vor einer langen Zeit akzeptiert habe. Es gibt viele Gründe dafür, und ich versuche jetzt ein guter Vater für meinen Sohn und meine Tochter zu sein. Mit der Antwort habt ihr wohl nicht gerechnet...

Hast du versucht, alternative Vater-Figuren zu finden oder warst du einseitig gerichtet, was denjenigen angeht, der dich aufzog?

Natürlich. Ich denke allem voran, das man sich als junger Mann fragt, „Warum haben alle anderen einen Vater und ich nicht?“ Man versucht mit seiner Mutter über dieses Thema zu sprechen, aber meine hat diese Unterhaltung komplett, vollständig abgeblockt. Aber das Leben geht weiter und man wird dazu gezwungen, es zu akzeptieren.

Ob ich nach einer anderen Vater-Figur gesucht habe? Nicht wirklich. Ich schätze, ich habe das Leben so akzeptiert, wie es kommt. Also kann ich nicht wirklich sagen, dass ich es verpasst hätte. Ob das meinen Charakter zeichnet? Wahrscheinlich schon, bis zu einem gewissen Level. Vielleicht überkompensiere ich auch gegenüber meiner Kinder für das, was ich in der Vergangenheit selbst nicht hatte, wenn es zum Thema Verantwortung kommt. Aber ich kann nicht sagen, dass es in meiner Jugend enormen Stress bei mir verursacht hat. Es war verblüffend, wie alles andere im Leben. Es war also etwas, das ich akzeptiert habe und mit dem ich versucht habe, zu leben.

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Drei Dinge, die deine Persönlichkeit widerspiegeln?

Das ist wirklich eine schwere Frage. Auf der einen Seite gibt es das Berufsleben, auf der anderen das „wirkliche“ Leben. Dinge, die mir näher sind, sind Dinge aus dem wirklichen Leben. In diesem Kontext gibt es einige Dinge, die mir etwas bedeuten. Ich werde dir später ein paar Bilder zeigen, weil ich sie nicht mitbringen konnte, sie sind einfach zu groß. Ich interessiere mich sehr für Science-Fiction und Filme und ich versuche, sehr kreativ zu sein. Einer meiner besten Freunde war ein riesiger Science-Fiction-Fan und wir bauten oft zusammen Modelle, Raumschiffe. Ich habe immer davon geträumt, irgendwo draußen im Weltall zu sein, solche Dinge tun, aber naja, die Physik ist nunmal Physik. Man muss sich also entweder damit zufrieden geben, einen Film zu schauen oder den Extra-Schritt gehen und selbst einen Film machen.

Genau das haben wir versucht zu tun. Ich besitze in diesem Zusammenhang ziemlich viele Modelle und Bilder, die wir erstellt haben, wir haben mit Photoshop wunderschöne Science-Fiction- Szenerien erschaffen, die wir projizieren konnten, und ich denke diese Dinge könnten dir einen guten Einblick in mein „geheimes Selbst“ geben, denn ein „geheimes Selbst“ hat jeder. Darauf bin ich sehr stolz. Ich habe sehr, sehr viel Zeit meines Lebens damit verbracht. Ich hatte viele wundervolle Momente mit meinem besten Freund, der sehr eng verbunden mit diesen Themen arbeitet. In letzter Zeit hat sich meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet, aber ich bin immer noch sehr stolz darauf.

Zweitens habe ich viel darüber nachgedacht, was ich noch nennen könnte. Wenn Yarid noch leben würde, dann könnte er auf etwas hinweisen, das mir tatsächlich sehr nahe steht. Yarid ist merkwürdigerweise der Vater meines ehemals besten Freundes, der mein bester Freund wurde, der in der Zwischenzeit aber gestorben ist und durch einen anderen besten Freund ersetzt wurde. Das, was er nennen könnte, ist meine Sammlung von mittelalterlichen Münzen, die wir durch Zufall zusammen angefangen haben, denn er hatte eine enorme Leidenschaft für mittelalterliche Geschichte und ich war beeindruckt von seinem unfassbaren Wissen und der Leidenschaft, mit der er darüber sprach. Also habe ich ihm in einer gewissen Zeit meines Lebens vorgeschlagen: „Wenn du die Silbermünzen sammelst, was könnte man sonst noch sammeln? Kupfermünzen, Goldmünzen?“ Naja, Kupfermünzen existierten im Mittelalter nicht, beziehungsweise es gab kaum welche, und wenn es welche gab, haben sie nicht überlebt. Aber die Goldmünzen gibt es immer noch, also kann man die vielleicht sammeln. „Wenn du zehn Silbermünzen kaufst, dann kaufe ich eine Goldmünze.“

Das war für mich eine perfekte Ausrede, um Zeit mit ihm zu verbringen. Es gab da einen Altersunterschied, denn er war 30 Jahre älter als ich, aber es war eine wirklich interessante Freundschaft und die resultierte in einer wundervollen Sammlung von mittelalterlichen Münzen. Nach seinem Tod habe ich seine Sammlung mit dem Versprechen übernommen, dass ich die Münzmappe jedes Jahr öffnen würde, um bei ihm zu sein. Ich habe ihm versprochen, jedes Jahr ein paar Münzen zu der Sammlung hinzuzufügen, denn das war seine lebenslange Leidenschaft, und jedes Mal wenn ich die Mappe jetzt öffne, bin ich bei ihm. Es ist der beste Weg, um dem nahe zu sein, wer er war, worüber er nachdachte, wofür er brannte und so weiter... Das ist also das zweite Objekt, auf das ich wirklich sehr stolz bin.

Das dritte Objekt, auf das ich gerne hinweisen würde, ist nicht wirklich ein Objekt, aber dafür der größte augenöffnende Moment meines Lebens. Und das ist meine Familie. Natürlich ist das kein „Ding“. Wenn man darüber nachdenkt, wie viel Zeit man damit verbringt, Kinder in die Welt zu setzen, diese aufzuziehen,... sie spiegeln meiner Ansicht nach am besten wieder, wer man selbst als Person ist. Es ist eine Schande, dass ich sie mit einem Objekt gleichsetze, aber wenn man diese drei Dinge beisammen nimmt, hat man wirklich einen guten Eindruck davon, wer ich bin.

 

 

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Drei Dinge über dich selbst?

Über mich selbst? In welcher Hinsicht? Meine Interessen, meine Werte, Dinge die mich besorgen? Eine Sache die ich an mir selbst sehe, ist, dass ich eine sehr weit gefasste Sicht auf die Gesellschaft habe. Ich bin Softwarearchitekt und habe gelernt, abstrakt zu denken, und ich sehe viele, viele Dinge um mich herum passieren. Ich sehe Muster, ich sehe Strukturen und das ist etwas, das nicht beim Beruf aufhört. Das ist ein Teil von einem. Wie man von der Gesellschaft geformt wurde, und von einem selbst.

Eine Sache die mich sehr frustriert, und ich merke, dass es mir schwerfällt, die richtigen Erwartungen zu haben, ist die Trägheit der Gesellschaft. Es gibt so viele Dinge, die sich ändern können, die sich ändern sollten; nicht unbedingt im Interesse einer Person, einfach nur im Bezug darauf, Dinge besser zu organisieren. Man sieht diese Dinge direkt vor sich, und es frustriert mich, dass die Gesellschaft diese Dinge nicht sieht. Die Politiker wollen das nicht sehen und die Dinge entwickeln sich so langsam, so verdammt, verdammt langsam... das ist echt verstörend. Wenn ich mich so sehr darauf konzentriere, kann ich echt nervös werden, in gewissem Sinne sogar wütend, aber ich muss mich natürlich selbst wieder in die richtige Spur bringen indem ich mir sage, dass es gewisse Dinge gibt, die man ändern kann, und andere eben nicht. Damit muss ich mich einfach abfinden. Das ist eine Sache, bei der ich sehr empfindlich bin. Ich denke oft, dass es besser wäre, wenn ein Softwarearchitekt die Kontrolle über die Gesellschaft hätte, anstatt einem Politiker. Ich denke, das würde wirklich einiges ändern. Oder ich muss Politiker werden (lächelnd).

Was kann ich noch über mich selbst sagen? Als ich jung war, gab es einen Lehrer, der ein Konzept von Heidegger erklärt hat; jedenfalls kann ich mich daran erinnern. Ich weiß nicht, ob das wahr oder falsch ist. Ein Satz, der Eindruck bei mir hinterlassen hat, war „Je mehr du weißt, desto mehr wirst du feststellen, wie wenig du eigentlich weißt, oder dass du gar nichts weißt. Es gibt so viel mehr zu wissen.“ Je mehr man weiß, desto bescheidener wird man, weil man merkt, dass es noch viel mehr zu lernen gibt. Man beginnt, das zu erkennen, man gibt sich richtig viel Mühe, man erlangt Wissen, aber je mehr Wissen man bekommt, desto mehr erkennt man, dass man eigentlich hinterherhinkt. Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, um dieses ganze Wissen aufzunehmen, und das ist ein unheimlicher Gedanke. Das ist etwas, das tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Vielleicht war das der Auslöser dafür, warum ich so ein weites Interesse habe für Geschichte, Philosophie, menschliche Interessen, Geographie,... Nenne irgendetwas, und du hast mein Interesse. Ich bin wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Ich finde auch, dass Heideggers Aussage wirklich wahr ist, und das erschreckt mich.

Denkst du, dass du große Sympathien gegenüber den Enzyklopädisten hegst? Das waren Menschen im 17.-18. Jahrhundert, die Wissen angehäuft haben. Damals gab es natürlich weniger als heute, aber trotzdem haben sie damals große Mengen angehäuft, da sie alles behandeln wollten. Oder bist du eher ehrfürchtig? Im Sinne von „Es gibt so viel, und ich kratze nur an der Oberfläche und bin beeindruckt, wieviel eigentlich noch hinter dem steckt, das ich kenne“.

Ich bin auf jeden Fall beeindruckt. Es gibt so viel zu wissen und zu lernen, und das verändert einen als Person. Zum Beispiel, wenn man sich die technische Seite einer menschlichen Zelle anschaut, das ist überwältigend. Wenn man sich dem öffnet und den Erfindungsgeist erkennt, der dahinter steckt. Ich nähere mich diesem ganzen Wissen eher vom Standpunkt eines Softwarearchitekten an. Mich interessieren die Details nicht wirklich, denn ich weiß, dass die Details mich fertig machen würden. Ich kann diese Details nicht alle aufnehmen. Ich überfliege dieses ganze Wissen einfach und sehe dabei Muster. Mich interessieren die Zusammenhänge. Die Zusammenhänge der frühesten Zeiten des Lebens, bis zu dem Punkt, an dem wir gerade stehen, historisch und kulturell... Man sieht also Trends. Das ist vielleicht ein anderer Ansatz, die Essenz des „Seins“ zu betrachten. Das kommt daher, dass ich ein Architekt bin, ich bin so gemacht. Es kommt daher, dass mein Gehirn die Dinge so angeht. Ich bin kein Enzyklopädist, jemand, der versucht, sich wirklich alle Details zu merken. Ich werde niemals an einem Quiz teilnehmen, das ist einfach nicht die Art, wie ich mich diesem enormen Meer an Wissen nähere. Und dieses Meer ist wirklich, sehr, sehr groß.

Ich bin ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Manchmal bin ich wirklich überrascht von der Fähigkeit mancher Menschen, eine Verantwortung nicht zu sehen, die sie vielleicht übernehmen sollten. Das fängt schon ganz klein an, zum Beispiel wenn jemand ein Papier auf den Boden wirft. Das macht mich wirklich wütend, die verschmutzen die Umwelt und übernehmen keine Verantwortung dafür. Ich denke, wenn alle Menschen lernen würden, richtig Verantwortung zu übernehmen, dann könnte man sehr gut in dieser schönen Welt leben. Wenn du mich danach fragst, etwas über mich selbst zu erzählen, dann fällt mir direkt dieser tiefe Sinn für Verantwortung ein. Nicht weil ich besser sein will, als jemand anders. Aber um gut zu dir selbst zu sein, zu den Menschen um dich herum, den Menschen, die du liebst, und auch den Menschen, mit denen man leben muss, muss man lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das ist also ein wichtiger Teil meines Lebens und meiner Person. Ich glaube, wenn du eine dritte Person bitten würdest, mich zu beschreiben, dann würde ihm oder ihr auf jeden Fall irgendetwas aus diesem Kontext einfallen.

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Was fällt dir schwer, wenn du morgens aufwachst?

Das ist eine gute Frage. Was schwer für mich ist, ist die Tatsache, dass ich weiß, dass ich mich nicht einfach zu jeder Zeit des Tages in die Richtung treiben lassen kann, in die ich gerne möchte. Ich frage mich oft was wäre, wenn ich weniger mit dieser komplexen Gesellschaft verbunden wäre und einfach irgendwo draußen in der Natur wäre und meinen Interessen nachgehen würde. Ich würde alles um mich herum entdecken. Das Leben, das wir leben, hilft uns nicht wirklich dabei, Entdecker zu sein. Man passt das Leben um sich herum ein wenig an, man formt einige Dinge um sich herum. Man gibt sich selbst mit der Vorstellung zufrieden, dass man alles unter Kontrolle hat, aber nein, das ist nicht wirklich wahr. Wir leben in einer sehr beschleunigten Welt und das ist vielleicht dasjenige, was mich morgens am meisten erschreckt, wenn ich aufwache. Es wird sehr schwierig sein, die Dinge zu tun, die ich wirklich gerne tun würde. Sie werden unerreicht bleiben.

Wenn ich in den Ruhestand gehe, werde ich vielleicht Zeit haben, diese Dinge zu tun. Aber das ist nun mal Teil des Lebens. Es ist nicht so, dass es mich besorgt oder bestürzt. Jeder Tag ist ein Tag der neuen Entdeckungen, aber vielleicht nicht unbedingt die Entdeckungen, die ich gerne machen würde, wenn ich mich selbst und alles um mich herum komplett unter Kontrolle hätte.

Was bringt dich zum Lächeln?

Harmonie. Wenn ich eine Harmonie spüre. Ich denke, das ist es. Was lässt einen lächeln, was macht einen glücklich? Wenn man versucht, etwas zu erreichen und man merkt, dass sich alles schön zusammenfügt. Das kann ein Gespräch sein, das man plant, oder ein Konzept, das man vorstellen möchte, oder ein Moment, den man einfach für sich selbst geplant hat. Wenn alles, das man versucht zu erreichen, im Gleichgewicht ist, wenn man an den Punkt gelangt, an dem alles um einen herum harmoniert. Wenn ich also Harmonie erlebe, bewusst oder unbewusst, dann bringt mich das zum Lächeln. Vielleicht ist Humor eine Form der Harmonie. Da stimme ich zu.

Wann hast du zuletzt die Welt gerettet?

Dadurch, dass Heidegger so präsent in meinen Gedanken ist, habe ich begonnen, zu erkennen, dass die Welt zu retten eine schwierige Angelegenheit ist. Ich denke, ich muss das erst noch tun. Das wird noch kommen. Ich denke, dass jeder Gutes tun will, dass jeder einen guten Einfluss haben möchte, und ich bin mir sicher, dass ich ein guter Einfluss bin. Aber ich denke auch, dass ich nur Teil des Regens bin. Ich nur ein Tropfen. Nur dadurch, dass es regnet, wird die Erste nass und es kann etwas wachsen. Ich bin nicht derjenige, der den Regen verursacht. Ich bin einer der Tropfen, ich schätze also, dass ich einfach dadurch, dass ich da bin, zu etwas beitrage. Ich führe ein Berufsleben, ich bilde mich selbst weiter, ich bin gut zu meinen Kindern, meiner Familie, ich versuche Werte in die Welt zu tragen. Ich bin jemand, der über den Tellerrand schaut und erzeuge dadurch viele neue Gedanken. Ich inspiriere Menschen.

Gleichzeitig bin ich aber auch sehr bescheiden. Ich bin Teil einer größeren Sache. Ich denke nicht, dass da irgendjemand über uns steht, der alles kontrolliert, aber ich denke, ich kann mit dem Fakt leben, dass ich einer dieser Regentropfen bin, die die Erde fruchtbar machen und neue Böden schaffen, damit Menschen darauf bauen können. Das ist mein Beitrag dazu, die Welt zu retten.

Ich hatte schon Leute, die sagten, sie seien Teil eines Netzwerks, und dass das ihr Beitrag zur Rettung der Welt wäre.

Du fragst also, warum ich sage, ich sei Teil des Regens, nicht eines Netzwerks? Ich fühle mich selbst erleuchtet, besonders wenn man all das betrachtet, das um uns herum vorgeht, mit all den religiösen oder ökonomischen Zusammenstößen. Man fühlt sich diesen Lagern nicht zugehörig. Man ist vernetzt, man weiß also, dass man Teil einer Art zu Denken ist, die grundsätzlich versucht, Gutes zu tun. Vielleicht ist das etwas, das auf lange Sicht ein enormer Beitrag zur Rettung der Welt sein wird. Aber manchmal habe ich auch Angst. Manchmal denke ich, dass der Beitrag immer kleiner wird. Vielleicht werden wir an irgendeinem Punkt einfach überrannt oder absorbiert.

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Um wen kümmerst du dich?

Das ist gleichzeitig eine leichte und eine schwere Frage. Natürlich kümmere ich mich um meine Familie, aber diese Antwort wird wohl jede normale Person geben. Allerdings, wenn ich da noch etwas weiter gehe, denke ich, dass mir jene Leute wichtig sind, die sich um andere Leute kümmern oder sorgen, und das kann sich in vielen verschiedenen Formen äußern. Das können manchmal sehr kleine Dinge sein, aber manchmal kann auch der Intellekt einer Person dazu beitragen, eine bessere Welt für alle Menschen zu schaffen. Alle Menschen, die dazu beitragen, haben meine uneingeschränkte Sympathie. Das ist wie ein warmes Gefühl, das ich ab und an bekomme. Es ist schwer, das an einer bestimmten Person festzumachen. Es ist ein Gefühl, das

man hat, wenn man spricht, sich unterhält, diskutiert, Dinge sieht und beobachtet, die Menschen tun oder sagen.

Ein Satz, der zum Beispiel für immer in meinem Kopf sein wird, ist: „Eine Person, die gut zu Tieren ist, muss eine gute Person sein.“ Und bis heute ist das etwas, das ich für sehr wahr halte. Und wenn man mich fragt, um wen ich mich sorge oder wer mir wichtig ist, dann sage ich: Menschen die für andere Menschen da sind, für andere Lebewesen, für das Allgemeinwohl. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig.

Davon abgesehen sind das natürlich hauptsächlich meine Kinder, meine engste Familie und natürlich die Person, die mich aufgezogen hat. Sie ist eine unabhängige Frau. Meine Mutter starb und sie hatte nicht die Kraft, mich als Kind großzuziehen. Vielleicht wegen allem, was sie selbst durchgemacht hatte. Also wurde ich von einer anderen Frau aufgezogen. Sie war niemand aus der Familie. Ich wurde nicht adoptiert, aber sie hat es aus genau dem Grund getan, den ich eben nannte, um gut zu anderen zu sein, ohne an irgendwelche persönlichen Interessen zu denken. Wenn ich meine Antwort also an einer Person festmachen müsste, dann wäre sie die Person die mir am wichtigsten ist. Aber sag es ihr nicht! (lächelnd)

Wer kümmert sich um dich?

Um mich? Jetzt in diesem Moment? ... Zuallererst, ich fühle mich fast nie schlecht. Ich weiß auch nicht warum, aber es ist wohl meine Einstellung. Ich kann sehr leicht interessante Dinge um mich herum finden. Ich habe sehr viel Energie. Ich mache viele Dinge. Ob ich mich jemals schlecht fühle? Nein, ich habe dieses Gefühl wirklich nie. Aber das heißt nicht, dass ich nicht trotzdem die Wärme genießen kann, die Menschen einem geben können. Einfach indem sie sagen „Hey, du solltest mal zum Arzt gehen, oder vielleicht solltest du dies oder das tun...“

Ich habe mich vor kurzem geschieden, das war wohl eine eher dunklere Zeit in meinem Leben. Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich mich extrem schlecht gefühlt habe oder so, weil es etwas ist, das man kommen sieht. Also absorbiert man es und es wird zu einem Teil deines Lebens. Aber seit kurzem habe ich eine neue Freundin, die mir genau diese Art von Wärme und Signalen gibt. Natürlich ist das etwas sehr wichtiges, das merke ich.

Bis jetzt war ich immer sehr unabhängig, sehr auf das fokussiert, was ich als Person zu tun hatte. Ich wusste sehr genau, was ich wollte. Ich wusste sehr genau, was zu tun mir möglich war und was mir nicht möglich war. Ich war also sehr unabhängig, sehr selbstsicher, und das kam wahrscheinlich zu einem großen Teil durch meine Vergangenheit. Da ich keinen Vater hatte, hatte ich auch kein wirkliches Familienleben mehr, ich musste alles selbst tun, und das ist wirklich zu einem Teil meines Lebens geworden und bis heute geblieben. Aber jetzt da ich eine neue Freundin habe, muss ich zugeben, dass ich diese Aspekte des Lebens viel bewusster wahrnehme als in meiner vergangenen Ehe. Natürlich, wenn eine Hochzeit zusammenbricht gibt es immer zwei Seiten. Ich weiß, dass ich bestimmte Dinge falsch gemacht habe. Jetzt lerne ich, diese Dinge besser zu machen, denn wenn man mit der Nase auf diese Fakten gestoßen wird, dann macht man es halt nächstes Mal besser.

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Gibt es jemanden auf der Welt, der etwas Gutes tut?

Ich denke es gibt viele Personen, die etwas bewirken. Barack Obama war jemand, der einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ich finde, dass er ein starkes Beispiel für die freie Welt ist. Ich hatte den gleichen Eindruck bei dem neuen Papst, aber finde das mittlerweile nicht mehr. Er hat mir aber auch ein gutes, ehrliches Gefühl vermittelt. Eine Organisation... Das ist sehr schwer. Ich vertraue den Vereinten Nationen nicht.

In welchem Sinne tut jeder dieser Menschen etwas Gutes?

Sie haben mir alle den Eindruck vermittelt, dass sie etwas zum Wohl der Menschen tun, nicht für sich selbst. Es sind eben nicht sie selbst, die zählen, sondern die Gemeinschaft. Das sind fundamentale Werte; Ehrlichkeit, Verantwortung. Ich schätze, es sind eben vor allem die Werte, für die sie stehen, die ich an ihnen schätze. Es gibt definitiv Menschen, die ich gerne voranbringen würde.

Ich versuche gerade wirklich, eine Organisation zu finden, an die ich glaube. Ich habe früher immer gehofft, dass die Europäische Union der sichere Hafen für meine Wertvorstellungen wäre, für meine Gedanken, aber das denke ich jetzt nicht mehr. Manchmal vielleicht noch. Ich denke, dass der Brexit das Beste war, das passieren konnte, um aufgeschlossener zu werden und neu anzufangen. Auf der anderen Seite, jetzt, wo ich älter werde, sehe ich auch die Schattenseiten der Politik.

Die Kluft zwischen fundamentalen Werten und dem, was wirklich passiert, ist sehr groß. Ist das vielleicht das Problem?

Das ist wirklich ein Problem. Ich hoffe das wird sich ändern, aber ich denke realistisch und ich glaube nicht, dass es zu meiner Lebenszeit noch passieren wird... oder in zukünftigen Lebzeiten. Ich bin immer noch auf der Suche nach einer Organisation, aber es fällt mir wirklich schwer.

Auf der einen Seite wird man vorangetrieben von großen Namen wie Barack Obama oder dem Papst, aber es gibt auch kleinere Dinge, die man betrachten sollte, zum Beispiel die Weißhelme in Syrien. Das war wirklich beeindruckend. Dieses Mädchen, dem in den Kopf geschossen wurde (Malala). Es ist sehr ermutigend, diese Menschen zu sehen. Ich kenne sie natürlich nicht, aber es

gibt Dinge, die diese Menschen getan haben oder Antworten, die sie gegeben haben, die mich tief beeindruckt haben.

Gibt es ein Ereignis, das du gerne rückgängig machen würdest?

In einer Traumwelt, in der das möglich wäre.

Soll ich das wirklich sagen? ... Die Wahl von Trump! Ich hab’s gesagt! Ich hab’s gesagt! Ja, und du kannst das veröffentlichen!

Ich glaube, wir haben jetzt wirklich einen Schwindler an der Regierungsspitze in Russland und einen an der Regierungsspitze von Amerika. Das ist ein unheimlicher Gedanke. Ich würde das rückgängig machen.

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In deinem Traumleben, wo würdest du morgen sein und was würdest du tun?

Das ist leicht. Ich wäre entweder der Leiter bei der Entwicklung von einem der besten Spiele oder der Regisseur bei einem der besten Science-Fiction-Filme, die du jemals sehen würdest.

Denkst du, das ist etwas, das nicht mehr passieren wird oder könnte es immer noch passieren?

Nein. Ich bin sehr realistisch, das wird nicht passieren. Ich vermisse nichts, aber wenn du nach meiner Traumwelt fragst, wo ich hätte sein wollen, dann ist das definitiv meine Antwort. Absolut.

Was wirst du machen, wenn du alt bist?

Meine alten Tage mit meiner besten Freundin verbringen. Das Leben genießen. Ich werde sehr aktiv sein, im Garten arbeiten, Museen besuchen, oder einfach raus in die Natur gehen. Ich glaube, dass ich im Alter ein sehr aktives Leben führen werde. Ich werde immer noch nach Wissen streben, versuchen, mir selbst und den Menschen um mich herum Gutes zu tun. Genieße das Leben, denn es ist dazu da, genossen zu werden, in kleinen wie in großen Dingen.

Natürlich habe ich auch immer noch diese 55 Hobbys, mit denen ich irgendwann mal beginnen will. Mit sieben oder acht Jahren wollte ich zum Beispiel immer Pilot werden. Einer meiner Lehrer hat mich damals gefragt „Was willst du mal werden“ und ich habe ihm direkt geantwortet: „Ich will fliegen“. Vielleicht war ich immer zu eingeschüchtert von der riesigen Verantwortung, die man für ein großes Flugzeug trägt. Es schüchtert mich immer noch ein, und jedes Mal, wenn ich in einem Flugzeug sitze, denke ich mir „Wow, dieser Kapitän. Was für eine Verantwortung“. Und es ist nur ein Flugzeug. Nur eine kleine Sache. Aber trotzdem, wenn man darin sitzt erkennt man, wie mächtig es ist und welche Technik dahintersteckt.

Pilot zu sein war auf jeden Fall etwas, das ich immer gewollt habe, und eine Sache die ich unbedingt noch realisieren möchte, ist ein vollständiger Flugsimulator, in dem man wirklich das Gefühl hat, in einem Flugzeugcockpit zu sitzen. Mit der ganzen Technologie, die wir heute haben, mit meinem Wissen über IT, kann man so etwas bauen. Alles, was ich brauche, ist Zeit. Und wann werde ich diese zeit haben? Hoffentlich, wenn ich in den Ruhestand gehe. Das ist also eine Sache, die ganz oben auf meiner Liste steht. Ein anderes Beispiel, schau mal in den Himmel. Ich interessiere mich für alles, das man sehen kann. Durch das Teleskop schauen und sich darüber zu wundern, wie klein wir eigentlich sind. Mich selbst auf den allerletzten Moment vorbereiten. Das wäre vielleicht etwas, das ich tun würde.

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Hast du eine Botschaft an die Leser dieses Interviews?

Ich glaube, die wichtigste Botschaft, die ich jedem mitgeben will, der dieses Interview liest, ist „Das wichtigste im Leben ist, glücklich zu sein“. Nach meiner Auffassung kann man nur sein Glück finden, wenn man offen für Harmonie ist. Das ist der Schlüssel zum Glück. Die Menschen rennen oft Dingen hinterher, von denen sie denken, dass sie sie glücklicher machen werden, als sie heute sind, denn grundsätzlich will jeder von uns glücklich sein, aber das ist schwer.

Ich denke, dass wenn man offen für die Vorstellung ist, dass Harmonie die absolute Essenz des Glücks ist... Eigentlich kann man Glück genau da finden, wo Harmonie entsteht. Das kann von sehr kleinen zu sehr komplexen Dingen reichen. Das einzige, um das man sich also als Person selbst kümmern muss, ist, die Parameter dieser Harmonie zu bestimmen. Was man will, wie man es erreichen will, was man erreichen will, mit wem man es erreichen will, was man erleben möchte. All das ist essentiell, um etwas zusammenzubrauen. Und wenn alles beginnt, ineinanderzugreifen, dann merkt man plötzlich, dass es sich gut anfühlt. Man fühlt sich glücklich.

Das Glück liegt gleich um die Ecke. Wenn man beginnt, die Bedeutung der Harmonie zu sehen, dann hat man auch die richtige Einstellung, die Harmonie im größeren Zusammenhang zu erkennen. Harmonie in der Natur, in der Gesellschaft, in der Kunst, der Politik, in Computersystemen, da, wo alles gut und richtig zusammen funktioniert. Ich finde, es ist eine wichtige Botschaft, genau das zu suchen und zu sehen.

Abgesehen davon sollte man sicherstellen, dass man ein wenig anders denkt, als die Menschen um einen herum. Das ist das beste Gegengift, um nicht krank von dieser Gesellschaft zu werden. Und sei stolz darauf. Man muss kein Rebell sein, aber man sollte sich selbst die Zeit geben, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das hilft enorm dabei, sein eigenes Selbst zu formen. Man ist schließlich kein Teil eines Schwarz-Weiß-Bildes. Man ist immer ein wenig anders. Das würde ich gerne mit auf den Weg geben.

Was soll den Lesern von deinem Interview im Gedächtnis bleiben?

Tiefsinnige Fragen. Dieser Typ genießt das Leben. Dieser Typ ist stolz auf sich selbst. Dieser Typ ist außerdem stolz darauf, was die Menschheit erreicht hat und noch erreichen wird. Er sieht die Defizite, bei sich selbst, im Kontext der Familie und in der Gesellschaft, aber er schaut immer mit einem leuchtenden Auge darauf. Das Glas ist für mich nie halb leer. Es ist immer halb voll. Ich denke, es gibt immer... Das Leben geht weiter.

Morgen wird jemand versuchen, etwas anders zu machen, und vielleicht wird es besser als das, was es heute war. Ich finde das ist ein wichtiger Gedanke, der meine Persönlichkeit ausmacht. Ich glaube, das war’s.

 

Voilà.

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