Judith / Madrid

Anwalt

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Judith lebt in Madrid und ist zutiefst mit dieser Stadt verbunden. Aufgewachsen in einer abgelegenen Gegend, genießt sie es nun, durch ihre Stadt zu laufen und sie zu erforschen.
Mit sowohl ihren menschlichen Netzwerken als auch dem Mobilfunknetz an ihrer Seite, glaubt Judith an das, was jeder von uns für die Gemeinschaft tun kann, und an unsere kollektive Verantwortung, die Bedürfnisse aller zu befriedigen.
 

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ERZAHL MIR VON DEINEM VATER. WENN DU NICHT UBER IHN SPRECHEN WILLST, KANST DU AUCH UBER EINE ANDERE PERSON SPRECHEN.

Von meinem Vater? In Ordnung. Mein Vater ist ein Träumer und ein konsequenter Mensch.

Noch etwas anderes über deinen Vater?

 

Puh, es gibt so viele Dinge, die ich dir erzählen könnte. Er ist jemand, der uns immer beigebracht hat, nachzudenken, kritisch zu sein und zu lernen... Speziell für mich war die wichtigste Sache, die mein Vater mir beigebracht hat, dass man nicht der Masse folgen sollte. Er hat mir viele Dinge gezeigt, was man vielleicht erwarten könnte, da er ein sehr intellektueller Mensch ist, aber das schätze ich am meisten an ihm, dass er uns ein bisschen... nicht „anders“ in dem Sinne gemacht hat, aber er hat uns geholfen, anders zu denken. Nicht ganz so gewöhnlich zu sein, sozusagen.

 

Meinst du „gewöhnlich“ negativ oder in einem guten Sinne?

Nicht im negativen Sinne, ich meine auf die bestmögliche Art. Nicht „gewöhnlich“ im Sinne von unhöflich oder rau. Nur die alltägliche Art von „gewöhnlich“.

WER HAT SICH UM DICH GEKÜMMERT, ALS DU KLEIN WARST?

Hauptsächlich mein Vater und meine Mutter, meine Schwestern, meine Großmutter und ihre Schwester, mütterlicherseits. Sie sind auf jeden Fall die Personen, die ich für den Kern meiner Kindheit halte.

GAB ES IN DEINER KINDHEID JEMANDED, DER EINE WICHTIGERE ODER FUHRENDE ROLLE SPIELTE? GIBT ES EIN EREIGNIS, DAS DICH DEFINIERT HAT?

Meine Eltern spielten natürlich eine führende Rolle, aber meine Großmutter und meine Großtante... Die haben wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und wichtige Ereignisse aus meiner Kindheit, die mich gezeichnet haben? Es gibt so viele! Als ich vier oder fünf Jahre alt war sind wir mit meinen Eltern aufs Land gezogen, eine Stunde von einer kleinen Stadt entfernt.

 

Wir haben immer in einer wirklich normalen Stadt gelebt, mit all ihren Aktivitäten und vielen Dingen, die passierten, und jetzt leben wir komplett auf dem Land. Wir sind fünf Jahre nicht zur Schule gegangen, wurden aber trotzdem weiter gelehrt und erzogen. Ich denke, das ist ein signifikanter Abschnitt meines Lebens.

Wer war für deine Erziehung verantwortlich?

 

Vor Allem meine Mutter, mein Vater und meine Schwestern. Mein Vater war mehr für die formelle Bildung zuständig, und meine Mutter für andere, genau so wichtige Dinge, wie Kochen, Lesen, Tiere... Wir hatten sehr viele Tiere. Mein Vater war in dieser Phase meines Lebens mehr derjenige, der mir Unterricht gab. Das ist vielleicht ein bisschen merkwürdig, ich weiß, aber so war es eben.

Es gibt keine merkwürdigen Dinge, nur verschiedene Erfahrungen.

Ja, da hast du Recht.

DU HAST ERWAHLT, DASS DEINE SCHWESTERN ODER BRUDER EINE WICHTIGE ROLLE IN DEINER KINDHEIT GESPIELT HABEN. KANST DU MIR EIN BISSCHEN UBER SIE ERZAHLEN?

Bis zu einem gewissen Punkt haben sie mir praktisch alles im Leben beigebracht. Sie waren wie Vorbilder für mich. Sie waren auch meine Freunde, da wir damals ein bisschen von der Gesellschaft abgeschottet waren, und auch nachdem wir aufgewachsen sind, waren sie natürlich immer einige der wichtigsten Personen in meinem Leben. Wir haben über alles geredet; wir haben viele Dinge geteilt. Ich finde, es war eine außerordentliche Erfahrung mit ihnen, da wir so abgeschottet waren, wir sind also irgendwie zusammengewachsen. Mit dem Alter hat sich das in eine eher normale Schwesternschaft entwickelt.

Ich habe das Gefühl, du hast einige ältere Schwestern?

Ich habe zwei ältere Schwestern, eine die jünger ist als ich, und einen kleinen Bruder. Man kann sagen, dass meine älteren Schwestern meine Vorbilder waren und mir viele Dinge beigebracht haben, bis ich ein Teenager mit etwa 15 Jahren war. Meine jüngere Schwester war immer mein Begleiter und meine beste Freundin, und mein kleiner Bruder ist eine ganz andere Sache, er ist das Baby und ich habe ihm viele Dinge beigebracht.

GAB ES IN DEINER KINDHEIT EINE ZEIT ODER EIN EREIGNIS, ALS DU DICH SEHR BESONDERS FUR JEMAND ANDEREN GEFUHLT HAST?

Ja natürlich, mein Großtante, die Schwester meiner Oma mütterlicherseits. Meine Mutter wurde zu einer Halbwaisen, ihr Vater starb, als sie sieben Jahre alt war; Meine Großtante war damals eine wichtige Hilfe für meine Großmutter. Es war, als hätte ich zwei Großmütter mütterlicherseits, und diese Frau war einfach wundervoll zu mir, sie hat uns alle geliebt, aber ich war etwas Besonderes für sie. Und ich fühlte mich auch sehr besonders, geliebt und verwöhnt. Natürlich sorgten auch meine Eltern dafür, dass ich mich besonders fühle, aber sie hat in dieser Hinsicht wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie hat Dinge mit mir geteilt, ihre Bekenntnisse und so; Es war einfach ein sehr besonderes Verhältnis.

War es ein allgemeines Gefühl oder gibt es ein bestimmtes Ereignis oder eine Anekdote, die das unterstreicht?

Es ist nich nur ein allgemeine Gefühl, ich meine, ja, ich fühle es, aber es wird von vielen Ereignissen aus meiner Kindheit untermauert, bis ich etwa 10 Jahre alt war, da gab es einen wichtigen Punkt in meinem Leben. Sie war ein wenig unüberlegt in der Hinsicht und alle haben immer gesagt „das ist nur weil sie dein Liebling ist“, du weißt schon, die üblichen Dinge, die Schwestern eben sagen. Es war offensichtlich, wie sie mir gegenüber fühlte, ich war immer die Hübscheste, sie hat mich immer zu sich nachhause eingeladen, hat mich immer verteidigt und ich war immer in ihren Gedanken.

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DU HAST DAZU SCHON MIT DEN ANTWORTEN ZU DEN LETZTEN FRAGE EIN PAAR HINWEISE GEGEBEN, ABER WER HALF DIR AUFZUWACHSEN?

Aufzuwachsen in welcher Hinsicht?

Wer half dir dabei, erwachsen zu werden?

Das ist eine schwere Frage. Ich denke das Leben lässt einen erwachsen werden. Ich glaube ich hab angefangen, mich erwachsen zu fühlen, als ich bestimmte Erfahrungen machte. Natürlich hatte ich immer Menschen um mich herum, die mir geholfen haben, Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Ich denke, dass ich mich in dieser Hinsicht immer sehr glücklich schätzen konnte, aber das, wodurch ich mich erwachsen und als eine vollständige Person fühle, das ist etwas Innerliches.

WANN HAST DU BEGONNEN, DICH WIE EINE ERWACHSENE ZU FUHLEN?

Puh, das ist noch nicht lange her (lacht)! Naja, ich wollte schon immer erwachsen sein. Ich glaube, weil ich ältere Schwestern hatte, wollte ich immer schon erwachsen sein. Zudem waren meine Eltern sehr fordernd wenn es darum ging, Verantwortung in unserem Leben zu übernehmen, was etwas Negatives ist, wie ich finde. Es ist einerseits so, als wollte ich älter sein und andererseits behandelten meine Eltern uns immer wie kleine Mädchen. Aber es gab Dinge, da haben sie meiner Meinung nach einfach zu viel verlangt. Ich glaube ich war schon in jungem Alter erwachsen und habe auch dementsprechende Rollen übernommen, zumindest in meinem frühen Teenager-Alter.

Aber sich jetzt als eine wirkliche Erwachsene zu fühlen mit... Ich bin jetzt 40 Jahre alt, und fühle mich innerlich wirklich sehr geordnet... vor fünf oder sechs Jahren. Man muss natürlich immer lernen und sich entwickeln, aber ich glaube, da habe ich mein inneres Gleichgewicht gefunden. Ein bisschen spät (lacht).

Ich weiß nicht ob ich erwachsen bin.

Naja, wir sind alle irgendwie noch Kinder, das ist wichtig.

DAS IST EIGENTLICH MEINE NACHSTE FRAGE, WANN MOCHTEST DU NOCH EIN KIND SEIN?

Naja, ich glaube es fällt mir schwer, mir meine eigenen Versprechen zu erfüllen, meine Ziele, das klingt ein bisschen geschäftlich, aber es ist etwas Innerliches. Ich glaube das ist gerade mein wichtigstes Ziel, die Ziele zu erfüllen, die ich mir gesteckt habe und meine Faulheit überwinden, was, glaube ich, meine größte Schwäche ist.

WOFUR WURDEST DU DICH ENTSCHEIDEN: UNABHANGIG SEIN ODER JEMANDEN HABEN, DER SICH UN DICH SORGT?

Unabhängigkeit, 100%.

WAS MACHT DICH SCHOEN?

Ich denke, dass jeder Mensch schön ist, und ich finde Kriterien für Schönheit schrecklich. Ich finde, dass Schönheit echt ist. Das klingt ein bisschen klischeehaft, aber es ist etwas, das einer Person innewohnt und das sich durch das Verhalten äußert. Was mich angeht, was macht mich schön?

Ich weiß es nicht, das müssten andere sagen. Für mich ist es ein fundamentaler Wert, auf dem Schönheit, Spontanität und Freude basieren. Ich glaube das ist etwas, das andere Menschen mögen und was uns zusammen bringt.

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FALLEN DIR DREI GEGENSTANDE EIN, DIE DU MAGST UND DIE DU NUTZT, VON DENEN MAN AUF DEINE PERSOENLICHKEIT SCHLIESEN KANN ODER DIE DICH REPRESENTIEREN?

 

Hmmm was mich repräsentiert? Das ist schwer... Naja, ich mag mein Handy und nutze es sehr viel, um in Kontakt mit meinem Netzwerk von Leuten zu bleiben. Und hauptsächlich, weil ich damit Zugang zum Internet habe, was sehr wichtig für mich ist. Und andere Dinge? Das ist eine schwere Frage.

 

Ich hätte dir die Frage gerne im Voraus geschickt, damit du dich hättest vorbereiten können, aber ich hatte leider keine Zeit.

Ich glaube, ich finde es vielleicht schwer, weil ich so bin wie ich bin. Mir fallen keine Dinge ein, die mich als solches repräsentieren, aber mir fallen Situationen ein. Ich fühle mich definiert durch mein Haustier oder meine Stadt, durch die Dinge, die ich tue, aber nicht durch ein Objekt, ich habe zum Beispiel kein Auto, mein Haus ist gemietet und das Parfum, das ich benutze, wechsele ich sehr oft.

 

Du musst diese Frage nicht zwingend beantworten, aber hier ein Beispiel: Ein Freund hat eine Dose Coca Cola mitgebracht, die eine irische Freundin repräsentieren sollte, da es für sie etwas Normales und Befriedigendes war, jeden Tag Coca Cola zu trinken.

Also in dem Fall, eine Tasse Kaffe. Denn diese Tasse ist für mich das, was Coca Cola für dieses Mädchen ist. Mein Handy, das wie gesagt sehr wichtig für mich ist, es ist wie meine persönliche Bibliothek, die ich überall hin mitnehme, ... und meine Schuhe, denn ich gehe sehr gerne, ich trage immer seltener Absätze, obwohl ich recht klein bin, also meine bequemen Schuhe.

 

Um einfach durch die Stadt zu streunen?

 

Ja, ich liebe das. Ich gehe gerne draußen mit meinem Hund spazieren. Mit dem Hund und dem iPhone, mit dem man ja mittlerweile wirklich unglaubliche Fotos machen kann.

 

Menschen machen auch immer noch unglaubliche Fotos mit richtigen Kameras.

 

Ja, bestimmt, und ich würde das gerne lernen... aber...

 

Es stimmt schon, dass diese Geräte wie das iPhone sehr gut sind.

 

Nur um dir mal eine Anekdote über diese irische Freundin zu erzählen, sie ist leider verstorben, und ein anderes Objekt das mitgebracht wurde, um sie zu repräsentieren, war ein kleines Stoff- Kamel. Sie war oft in Dubai im Urlaub und es war offensichtlich, das sie es dort sehr liebte.

 

Ich verstehe. Ich hoffe ich habe dir die Antwort gegeben, die du mit dieser Frage gesucht hast. Ich denke, ich habe es endlich verstanden (lacht).

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WAS FÄLLT DIR MORGENS SCHWER, WENN DU AUFSTEHST?

Ich stehe eigentlich gerne auf, aber Schlafen liebe ich genau so, das ist also irgendwie ein Widerspruch. Ich mag es überhaupt nicht, spät aufzustehen, zum Beispiel ist es das Schlimmste für mich, um zehn Uhr aufzustehen, ich fühle mich dann, als hätte ich den Morgen verloren. Aber da ich so gerne schlafe, macht es das besonders schwer. Ich habe mich aber damit abgefunden, im Endeffekt ist es das wert und ich ziehe es vor, früh aufzuwachen und aufzustehen, anstatt einfach nur im Bett rumzuliegen. Man könnte sagen, es ist meine liebste Zeit des Tages, mit meinem Kaffee, und sich einfach den Sonnenaufgang und die News anzusehen.

WAS BRINGT DICH IM ALLTAG ZUM LÄCHELN?

 

Viele Dinge. Für mich ist es fundamental, einen Sinn für Humor zu haben. Verschiedene Erlebnisse mit meinen Arbeitskollegen, meinem Partner, ein schönes Bild von der Stadt, mein Hund, ein Baby, ein Kind, Natur... Insgesamt humorvoll mit Menschen umzugehen und Witze zu machen.

UND GEGENUBER ANDEREN? WELCHE MOMENTE BRINGEN DICH DA ZUM LACHELN?

Also, ich denke es ist durchaus möglich, aus fast jeder Situation etwas Lustiges zu ziehen, und ich habe gemerkt, dass es sehr wichtig ist, dass man über sich selbst lachen kann, und in den stressigsten Situationen, hier im Büro zum Beispiel, ist die Alternative zum Streiten immer, einfach ein bisschen zu lachen und die Situation weniger kompliziert und etwas komischer zu machen. Das ist für mich eine Art Angewohnheit, es ist notwendig, einfach etwas Spaß im Leben haben zu können, so dass man Dinge trivialisieren kann, wenn man sich überfordert fühlt.

DIE NAECHSTE FRAGE IST ETWAS GEWAGT: WANN HAST DU DAS LETZTE MAL DIE WELT GERETTET?

Ich denke, und das sage ich mit bescheidener Zurückhaltung, dass ich das jeden Tag tue. Denn obwohl die Welt sehr ungerecht ist, ist sie aus Menschen gemacht. Nicht die Welt oder das System sind schlecht, es geht darum, dass die Menschen dazu beitragen müssen, jeden Tag zu verbessern und das zu erreichen, was wir wirklich brauchen. Ich denke, das ist wirklich wichtig, mit allem, was man Tag für Tag tut, die alltäglichsten und normalsten Angewohnheiten können diese Absicht zeigen.

Wenn du also in jeder Minute deines Lebens eine bewusste Person bist und positive Absichten hast, dann schaffen und ändern wir alle was. Das finde ich einfach, denn so sind heldenhafte Situationen in meinem leben zustande gekommen. Es gibt da Menschen, die eine sehr wichtige Rolle spielen.

Die Frage war ein bisschen ausgefallen, aber ich mag deine Antwort wirklich.

Das freut mich.

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WER KÜMMERT SICH UM DICH?

Mein Ehemann, meine Freunde und meine Familie.

UND DU? UM WEN KÜMMERST DU DICH?

Um die gleichen Menschen, denke ich.

WAS MACHT DICH GLUCKLICH, WENN DU ETWAS FÜR JEMANDEN GETAN HAST?

Das ist eine schwierige Frage für mich. Das Wichtigste oder das, was mich glücklich macht, ist vielleicht, wenn ich jemandem helfen kann und weiß, was sie brauchen, und ich etwas dazu beisteuern konnte. Denn ich glaube, dass ich schon sehr viele Male Hilfe bekommen habe und es gibt Gelegenheiten, da weiß man nicht, von wo oder wem diese Hilfe kommen wird. Das ist etwas, das man im Leben einfach zurück bekommt. Es funktioniert nicht immer in beide Richtungen, ich könnte dir zum Beispiel helfen, das hieße aber nicht, dass du mir direkt auch deine Hilfe anbietest. Das ist also etwas, das man durchmachen muss. Es macht mich glücklich, zu wissen, dass du einen Teil dieses Netzwerks bildest, ohne etwas im Gegenzug dafür zu erwarten. Das ist vielleicht das Beste!

Ich finde es auch sehr schön, wenn so etwas anonym geschieht. In der Lage zu sein, den Fokus von seiner eigenen Wichtigkeit in der Hilfe zu nehmen, die man gibt.

WAS MACHT DICH TRAURIG?

Ich mag dieses Wort nicht, obwohl ich nicht abstreite, dass Schmerz und Frustration existieren. Ich denke, Traurigkeit ist in sich eine Art von Selbstbetrachtung. Ich würde es wahrscheinlich irgendwie anders nennen, nicht Traurigkeit; zum Beispiel Schmerz oder Frustration. Vor allem macht mich der generelle Mangel an Mitgefühl in der Welt traurig und ich denke, das ist etwas, das uns zerstört; zu sehen, dass es dir gut geht und jemand anderem geht es schlecht, nicht emotional, das ist eine andere Angelegenheit, aber im Hinblick auf die Ungerechtigkeit, die es im Gleichgewicht der Welt gibt. Das, und Korruption, sind die beiden großen Dinge, die mir wirklich Schmerzen bereiten.

GIBT ES ETWAS HINBLICK AUF EINE INTERAKTION MIT JEMAND ANDEREM, DAS DU BEREUST?

Zum Beispiel wenn ich aggressiv gegenüber jemandem war. Etwas, das ich bereue, richtig?

Es muss nicht zwingend etwas sein, das du getan hast, warum du die Interaktion bereuen könntest, es könnte auch eine generelle Einstellung sein oder wie du von einer anderen Person behandelt wurdest.

Ah, das ist etwas anderes. Der Mangel an Mitgefühl ist das Schlimmste, und das hat mich auch am meisten frustriert, wenn man bemerkt, dass man dieser Person nicht das vermitteln kann, was man möchte, oder wenn diese Person nicht bereit ist, etwas von einem anzunehmen. Das ist wirklich das Schwerste für mich, wenn es kein Verständnis gibt.

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FALLT DIR EINE PERSON EIN (TOT ODER LEBENDIG) ODER EINE ORGANISATION, DIE WIRKLICH GUTE DINGE TUT?

Ich denke, dass viele Menschen um mich herum gute Dinge tun, ob es für die Familie ist oder ob sie gute Arbeiter sind oder großartige Freunde. Würdest du gerne etwas über eine bestimmte Person hören?

Wenn es jemanden gibt, ja.

Ja, ich kenne eine Person, die für mich vielleicht beispielhaft in diesem Sinne wäre.

Kannst du mir etwas über ihn oder sie erzählen?

Es ist jemand, den ich vor vielen Jahren getroffen habe, so etwa um das Jahr 2000 herum, und der einen sehr wichtigen Einfluss auf mein Leben hatte, auf die gleiche Weise wie vorhin, als wir über das Erwachsensein gesprochen habe, und jetzt kann ich diese Frage vielleicht etwas besser beantworten. Es war etwas Innerliches für mich, aber dieser Jemand hat mir geholfen, meinen eigenen Weg zu gehen. Es ist jemand, der in der Gesellschaft auf allen Ebenen sehr engagiert ist, der mir aber auch alles was ich weiß darüber beigebracht hat, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Naja, sagen wir mal, über mein inneres Selbst, ich will das jetzt nicht spirituell nennen, aber es ist irgendwie ähnlich.

GIBT ES EIN EREIGNIS, DAS DU GERNE RUCKGANGIG MACHEN WURDEST? IN DEINEM LEBEN ODER ETWAS AUS DEM WELGESCHEHEN.

Ich denke, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert, und zur Hölle mit dem Zurückblicken (lacht).


Ich glaube, dass das, was gerade passiert, das Ergebnis von allem ist, das vorher passiert ist. Und obwohl wir uns alle in jeder Hinsicht weiter verbessern müssen, denke ich, dass es nicht möglich ist, die Vergangenheit zu ändern, also... man muss es als ein Teil der Lebensreise akzeptieren.

Ich glaube hauptsächlich würde ich Dinge ändern, die ich falsch gemacht habe, meine eigenen Fehler, anderen gegenüber oder auf mich selbst bezogen. Zum Beispiel Zeitverschwendung. In einem weltweiten Ausmaß würde ich gerne den Moment ändern können, als der Kapitalismus die Welt und unser Wirtschaftssystem übernommen hat.

GIBT ES EINE PERSON ODER EIN GRUPPE VON MENSCHEN, DENEN DU HILFST ODER GERNE HELFEN WURDEST?

Ich denke, das tue ich bereits, aber ich glaube „helfen“, ist ein zu starkes Wort. Sei es Verantwortung oder ein Beitrag zu etwas, vor allem gegenüber meiner Familie. „Helfen“ ist manchmal ein bisschen irreführend.

Ich erkläre dir kurz, woher diese Frage kam:

Aufgrund der Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit gemacht habe, denke ich, dass menschen drei Kreise haben, um die sie sich sorgen und kümmern, einen sehr engen Kreis, das sind Familie und Freunde, die wir regelmäßig sehen, einen zweiten Kreis, der eher regional, kulturell und moralisch ist, und einen dritten Kreis, der sich auf einer nationalen, kontinentalen oder sogar weltweitem Ebene befindet.

Ich habe Menschen gesehen, die sich über ihren ersten Kreis hinaus bemüht haben, um ihre moralischen Verpflichtungen, Menschen, die die ökonomischen Ressourcen nutzen, um denen zu helfen, denen sie sich verbunden fühlen. Und manchmal ist dieser zweite Kreis einer Stadt zugeordnet, einer Sprache, etwas, dem wir uns nahe fühlen. Ich habe Freunde in Deutschland, die Immigranten sind und sich sehr verbunden fühlen und der Immigrantengemeinschaft helfen wollen.

Ja ich verstehe, aber ich finde das erzeugt irgendwie eine Art Widerspruch, worüber du sprichst scheint mir eher Engagement zu sein. Das hat vielleicht etwas mit Sprache zu tun, aber es hat noch eine andere Bedeutung, die ich im Interview erwähnt habe, dass wir jeden Tag irgendwie unseren Beitrag leisten. Nimm zum Beispiel mal einen Spezialfall, eine ökonomisch benachteiligte Person. Ich kann dieser Person helfen, wir können ihr alle auf irgendeine Art helfen, durch NGOs (nichtstaatliche Organisationen), indem wir einfach selbst Geld geben. Aber in meinem Fall und in diesem Sinne, ja, da bin ich sehr engagiert, das System selbst hilft den Menschen, durch Gerechtigkeit und nicht durch Wohltätigkeit.

Ich denke das Wort „Hilfe“ impliziert irgendwie die Idee von Wohltätigkeit, denn in der Realität schaut man auch nach persönlicher Befriedigung, und das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, ich suche nach Zufriedenheit durch etwas, das sich gut anfühlt, das kann etwas schönes sein, aber es basiert nicht auf menschlichen Werten.


Helfen in speziellen Situationen... Ich helfe meiner Familie und meinen Freunden, in jedem Moment und immer wenn ich kann. Ich würde zum Beispiel jemandem, der krank ist, mit Pflege und Verständnis helfen. Aber mein größtes Engagement ist für die Gesellschaft. Und das manifestiert sich durch Politik, soziale Handlungen oder andere Arten von Unternehmen.

Das macht Sinn, vielen Dank.

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WENN DU MIT EIN BISCHEN PHANTASIE IN DIE ZUKUMFT BLICKST, WER WIRST DU MORGEN SEIN UND WAS WIRST DU TUN?

Ich glaube mit dieser Frage können mehrere Wege erforscht werden. Ginge es um Phantasie, um sehr viel davon, dann wäre ich ein einer sehr anderen Welt, in der die Werte, über die wir vorhin gesprochen haben, uns vorantreiben; in der Menschen und ihre Bedürfnisse auf allen Ebenen im Mittelpunkt stehen, von Gesundheit bis zu Gefühlen, Kultur und Freizeit. Wir würden alle darauf hinarbeiten, und von da an könnten wir uns als Rasse entwickeln, als Menschen, nicht als die spanische Rasse um Gotts Willen (lacht). Das wäre also mit einer Menge Phantasie gesprochen. Auf mich bezogen sehe ich mich mehr oder weniger in der gleichen Situation, nur älter (lacht).

WAS WIRST DU TUN, WEN DU ALTER BIST? WAS MEINST DU SELBST, WIE DU DICH ENTWICKELN WIRST?

Ich hoffe hauptsächlich, dass ich weiter damit vorankomme, meine eigenen Ziele zu erreichen, und aus der Sicht der Menschheit, dass ich als Person in der Lage bin, ein Vorbild zu sein, in ganz kleinem Umfang, nicht als Star oder irgendein Aushängeschild; in meiner persönlichen Umgebung, nicht etwas Besseres, aber etwas Anderes zu sein, in der Lage zu sein, sich dem Leben zu stellen und es zu erleben.

Was meinst du mit „Vorbild“? Meinst du eine Art von Verkörperung von etwas?

Für mich ist ein Vorbild ein Beispiel, aber auf den Alltag bezogen, nicht im weltweiten Sinne, nur für meine eigene Umgebung, um in der Lage zu sein, die Klischees, die unsere Leben regieren, umzukehren.

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WIR SIND FAST AM ENDE DER FRAGEN, DIE ICH FUR DICH VORBEREITET HABE, ABER ICH WURDE GERNE NOCHMAL ZUM THEMA DER KORRUPTION ZURUCK, UBER DAS WIR VORHIN GESPROCHEN HATTEN.

Wenn ich es richtig verstanden habe, und korrigiere mich wenn ich falsch liege, sagtest du, dass Korruption ein Ungleichgewicht zwischen dem ist, was wir geben und was wir nehmen?

Ja, aber für ist es auch eine Verdrehung zwischen den Dingen, die wir sagen oder gewohnheitsmäßig etablieren, und dem, was wir tun.

Könnte das deiner Meinung danach daher kommen, dass man sich niemandem anpasst, oder gibt es wirklich keine Absicht, etwas beizutragen, sondern nur die Absicht, etwas für sich zu nehmen?

Ja, das zweite würde ich sagen, es sind Dinge, die man nicht um des Wertes der Sache selbst tut, sondern aus persönlichem Interesse, normalerweise für ökonomischen oder persönlichen Vorteil.

Korruption gibt es auf allen Ebenen. Warum lassen sich deiner Meinung nach Leute von Korruption anführen?

Naja, ich denke solange es Geld gibt, wird es auch Korruption geben, denn beinahe alles hat einen Preis und es gibt kein Bewusstsein für Menschlichkeit, aufgrund der Bedürfnisse, die das System selbst nicht abdeckt. Es ist wie ein Dschungel, in dem wir darum kämpfen, diese Bedürfnisse zu erfüllen, ganz abgesehen davon, dass Korruption vollkommen integriert in unsere Leben ist. Vermutlich betreibt nicht jeder Korruption auf einer staatlichen Ebene, aber wenn wir in einem gegebenen Augenblick sehen, dass wir von einer Situation profitieren können, dann fällt es jedem von uns leicht, das zu tun.

Wenn wir soziologische Studien machen, beobachten wir zwei Arten von Verhalten bei der Verteilung unserer Ressourcen. Wenn wir Menschen etwas zum Essen geben und Leute dazu einladen, sich selbst zu bedienen, dann sehen wir, was die zwei Hauptprofile sind: der eine, der das Beste aus daraus macht und soviel nimmt, wie er kann, um noch damit davonzukommen, und ein anderer, der nur das nimmt, was er braucht, um so viel wie möglich für andere übrig zu lassen, sodass sie ihre Bedürfnisse genau so abdecken können. Was ist es deiner Meinung nach, das jemanden dazu bringt, vom zweiten zum ersten Profil zu wechseln?

Die Erkenntnis, dass es noch andere Menschen gibt, aber nicht nur das, denn ich denke die erste Verhaltensweise ist eine Reaktion auf die instinktiven Bedürfnisse der Person, die auf dem Mangel vieler verschiedener Dinge basieren können, ob emotional, kulturell, ökonomisch oder im Hinblick auf Werte. Obwohl die erste Verhaltensweise verwerflich ist, denke ich, dass sie auf einem wesentlichen Aspekt der Person beruht, sogar bei den Korrupten. Ich glaube, dass der Missbrauch durch etwas ausgelöst wird, das den Menschen innewohnt, aber auch, dass man das transformieren, umlenken oder überkommen kann.

HAST DU EINE BOTSCHAFT AN DIE LESER DIESES INTERVIEWS?

Persönlich hoffe ich, dass sie mir meine Unbeholfenheit verzeihen, und falls ich wichtigtuerisch oder inkonsequent herübergekommen bin. Auf einer allgemeinen Ebene denke ich, dass es fundamental ist, dass die Menschen weiter auf das hinarbeiten, was wir wirklich sind, menschliche Wesen und keine Tiere, mit allem gebührenden Respekt an Tiere, die ich wirklich liebe, aber ich denke es ist essentiell für uns, dass wir in der Lage sind, der Kapitalismus zu überwinden; nicht nur eine einseitige Art des Denkens zu erreichen, sondern eine Ideologie, die uns zu Wissen und Weisheit führt, mit Meinungsverschiedenheiten, aber auch mit einer universellen Einigkeit, und dahin, dass wir die Bedürfnisse aller decken können, nachhaltig und nicht nur im materiellen Sinne.

WELCHES GEFUHL WILLST DU DEN LESERN DIESES INTERVIEWS MIT AUF DEN WEG GEBEN? WAS SOLL IHNEN IN GEDACHTNIS BLEIBEN?

Naja, das gleiche, das ich auch gerne in den anderen sehe, die ich gelesen habe. Ich würde hauptsächlich gerne ein neues Gefühl der Hoffnung finden. Wenn jemand etwas aus seiner eigenen Erfahrung mit dir teilt, oder von seinem Wissen, dann höre ihm zu, denn wir leben alle in der gleichen Welt. Die Menschen genauer kennenlernen, nicht nur das, was sie gewohnheitsmäßig tun.

Vielen Dank für alles und für die Möglichkeit, mir anzuhören, was du denkst, es war unwahrscheinlich interessant und ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Interview mit dir hatte.

Vielen Dank auch an dich.

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